Nach einer halben Stunde hat Bill Clinton die Demokraten so weit: "Hillary"-Sprechchöre donnern durch die Wells Fargo Arena in Philadelphia, die Delegierten jubeln minutenlang. "Ihr solltet sie wählen, denn sie gibt nie auf, wenn es mal hart wird", ruft Clinton kurz darauf und streckt die Faust in die Luft. "Unglaublich", wird eine Delegierte seine Rede später nennen. "Er hat genau den richtigen Ton getroffen."

 

Bill Clinton breitet auf dem Parteitag der Demokraten die Lebens- und Erfolgsgeschichte seiner Frau Hillary aus. Vom Moment ihres ersten Treffens in der juristischen Bücherei der renommierten Yale-Universität bis zu der Entscheidung, Osama bin Laden töten zu lassen, an der sie als Außenministerin mit beteiligt war. Clinton nimmt die Delegierten mit durch jede noch so kleine Station im Leben der demokratischen Präsidentschaftskandidatin, die die Delegierten am Dienstagabend formal wählten.

Denn er weiß, was dem Wahlkampf seiner Frau fehlt: Wärme, Nähe und Authentizität. Allzu oft versteckt Hillary Clinton sich hinter ihrer penibel geplanten Wahlkampagne. Der Ex-Präsident Bill Clinton ebnet seiner Frau nun den Weg, sich ihrer Partei doch noch als warmherzige Matriarchin zu präsentieren. Denn er kontrastiert das vorherrschende Bild der abgeklärten Politprominenten mit der warmen, fürsorglichen Hillary, wie er sie in den vergangen 45 Jahren erlebt haben will. "Im Frühling 1971 traft ich ein Mädchen", so beginnt seine Erzählung.

 

"Sie hatte dicke blonde Haare, eine Brille, trug kein Make-up und strahlte diese Stärke und Selbstbeherrschung aus, die ich gleich magnetisch anziehend fand." Clinton hält sich nicht an das distanzierte Auftreten seiner Frau. Er berichtet von ihren ersten Dates, erzählt, wie sie zwei Hochzeitsanträge ablehnte, bis sie beim dritten Mal doch endlich Ja sagte. "Ich habe meine beste Freundin geheiratet", sagt Clinton mit belegter Stimme und hält kurz inne. Ehe, Hauskauf, Geburt der gemeinsamen Tochter – das mächtigste Paar Amerikas wirkt in Clintons Rede plötzlich wie eine ganz normale Familie. 

Der Ex-Präsident demonstriert in Philadelphia, dass er zu Recht als brillanter Redner gilt. Denn natürlich ist seine Liebeserklärung an Hillary auch kalkuliert. Schon als Präsidentschaftskandidat Anfang der 1990er Jahre zeigte er Ausstrahlung und Charisma. Bill Clinton kommt bei den Menschen an. Diese Qualitäten nutzt er und versucht, ein anderes öffentliches Bild seiner Frau zu zeichnen: "Hillary hat als Mutter einen tollen Job gemacht."  

Immer wieder verwebt Bill Clinton die Schilderungen aus dem gemeinsamen Privatleben mit den politischen Errungenschaften der aufstrebenden Jura-Studentin Hillary Rodham. In South Carolina betreute sie schwarze Häftlinge, in Texas half sie dabei, mexikanische Einwanderer bei der Wählerbehörde zu registrieren. Sie baute eine Rechtsberatung für Geringverdiener auf und gründete einen Verein zum Schutz von Kinderrechten. Clintons Botschaft: Seine Frau kämpft nicht erst seit heute für ein besseres Amerika.