Angesichts andauernder heftiger Kämpfe im Südsudan sind nach Informationen der Zeitung Die Welt Vorbereitungen für eine mögliche Evakuierung von rund 100 bis 200 Deutschen aus dem Krisengebiet angelaufen. In den vergangenen Tagen sei der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt (AA) zur Entwicklung im Südsudan mehrfach zusammengetreten, bestätigte eine Sprecherin des AA. Die Europäische Union habe angesichts der Kämpfe rivalisierender Militäreinheiten ihre Delegation aus dem Südsudan abgezogen, berichtete das Blatt weiter. Die Mitarbeiter seien bereits am Sonntagmittag zunächst nach Nairobi ausgeflogen worden, hieß es unter Berufung auf EU-Diplomaten. 


In der südsudanesischen Hauptstadt Juba liefern sich Soldaten der regulären Streitkräfte mit ehemaligen Rebellen seit Tagen Gefechte. Bei den jüngsten Kämpfen, die unmittelbar vor dem fünften Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes am 9. Juli ausbrachen, wurden innerhalb weniger Tage nach Regierungsangaben in Juba etwa 270 Menschen getötet. Bewohner berichteten von schweren Angriffen mit Artillerie und Handfeuerwaffen sowie Explosionen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind Tausende Menschen vor den neuen Gewaltausbrüchen geflohen. 

Karte: Südsudan und Juba

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die Bürgerkriegsparteien bereits dazu auf, ihre Kämpfe einzustellen. Das Gremium sei auch bereit, über eine Verstärkung der rund 16.000 Personen umfassenden UN-Mission im Land nachzudenken, sagte der Ratsvorsitzende Koro Bessho. "Wir nennen keine Namen, aber die Länder der Region sind dazu aufgerufen zu helfen." Deutschland ist laut UN-Zahlen vom April mit 27 Einsatzkräften an der Mission beteiligt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Sicherheitsrat dazu aufgerufen, umgehend ein Waffenembargo gegen den Südsudan zu verhängen. Angesichts der Kämpfe zwischen der Armee und Soldaten des Vizepräsidenten und ehemaligen Rebellenführers Riek Machars müsse die UN-Friedensmission zudem verstärkt werden, sagte Ban in New York. Gegen all jene, die die Umsetzung des im August 2015 unterzeichneten Friedensabkommens behinderten, müssten weitere Sanktionen verhängt werden. Über einen möglichen Rücktritt von Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Machar müsse aber das Volk entscheiden, sagte Ban.