Bei am Freitagabend ausgebrochenen Kämpfen im Südsudan sind Hunderte Menschen gestorben. Das Land wollte am Samstag den fünften Jahrestag seiner Unabhängigkeit feiern, doch die Gefechte zwischen rivalisierenden Armeefraktionen verhinderten die Feier. Tausende Menschen flohen vor der Gewalt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete die Kämpfe als Verrat an der Bevölkerung.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die Bürgerkriegsparteien dringend dazu auf, ihre Kämpfe einzustellen. Das Gremium sei auch bereit, über eine Verstärkung der rund 16.000 Personen umfassenden UN-Mission im Land nachzudenken, sagte der Ratsvorsitzende Koro Bessho aus Japan in New York. "Wir nennen keine Namen, aber die Länder der Region sind dazu aufgerufen zu helfen." Deutschland ist laut UN-Zahlen vom April mit 27 Einsatzkräften an der Mission beteiligt.

Vor allem die Angriffe auf UN-Einrichtungen und Einheiten zum Schutz von Zivilisten in der Hauptstadt Juba hatten beim Sicherheitsrat Verärgerung ausgelöst. "Sie gehen weiter als die übliche Verrohung, die wir aus diesem Konflikt kennen", sagte die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power.

Die UN-Mission im Südsudan berichtete, zwei ihrer Unterkünfte in der Hauptstadt Juba seien bei den Kämpfen beschädigt worden. "Diese Angriffe gehen weiter als die übliche Verrohung, die wir aus diesem Konflikt kennen", sagte die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power, in New York. Berichte über mögliche Opfer wurden nicht kommentiert.

Die Auseinandersetzungen begannen am Freitagabend am Präsidentenpalast in der südsudanesischen Hauptsadt Juba, als dort Präsident Salva Kiir und der frühere Rebellenführer Riek Machar zu einer gemeinsamen Pressekonferenz zusammenkamen. Offensichtlich lieferten sich Leibwächter von Kiir und Machar außerhalb des Gebäudes eine Schießerei, die anschließend auf andere Stadtteile übergriff.

Am Sonntag hörten die Kämpfe trotz Appellen von Kiir und Machar für ein Ende der Gewalt nicht auf. Die UN-Mission im Südsudan (Unmiss) meldete den Einsatz von Mörsergranaten und schweren Geschützen in der Umgebung eines Unmiss-Lagers in Juba. Ein Kampfhubschrauber war im Einsatz. "Unsere Einheiten im Stützpunkt Jebel sind angegriffen worden", sagte ein Sprecher Machars. Der Angriff sei zurückgeschlagen worden. Gefechtslärm war aus den Stadtteilen Guele und Tongping am Flughafen zu hören.

Belastbare Zahlen über die Anzahl der Opfer seit Ausbruch der Kämpfe am Freitag liegen bislang nicht vor. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht unter Berufung auf das Umfeld des Gesundheitsministeriums von 270 Toten, darunter 33 Zivilisten. Der Sicherheitsbeauftragte der Klinik im Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Juba sagte: "Die Lage ist wirklich schlimm." Auch im Lager selbst seien mehrere Raketen eingeschlagen. Allein am Sonntag seien dort 50 bis 60 Menschen gestorben. Bereits nach den Kämpfen am Freitag hatten Ärzte von mehr als 100 Toten berichtet.    

"Die Lage in Juba hat sich signifikant verschlechtert", hieß es in einer Erklärung der US-Botschaft. "Es gibt schwere Kämpfe zwischen Regierung und Oppositionstruppen, unter anderem nahe dem Flughafen, den Stützpunkten der UN-Mission, in Jebel und weiteren Gebieten in ganz Juba." Eine Sprecherin der UN-Mission, Shantal Persaud, sagte, man sei in höchster Alarmbereitschaft. Kein UN-Angestellter dürfe die Stützpunkte verlassen.  

Der Bürgerkrieg begann 2013

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte Kiir und Machar in einer Erklärung auf, "ihre Anhänger zur Ordnung zu rufen und dafür zu sorgen, dass die Kampfhandlungen umgehend eingestellt werden". Die Regierungen in Berlin und London gaben Reisewarnungen heraus.

Die Erzrivalen Kiir und Machar stehen seit Abschluss eines Friedensabkommens vor knapp an der Spitze des Staates. Zuvor hatten sie sich offen bekämpft. Der Bürgerkrieg hatte Ende 2013 begonnen, als Kiir seinen Stellvertreter entließ. Die Auseinandersetzungen in den vergangenen Tagen waren die ersten, die sich seit August 2015 in der Hauptstadt Juba ereigneten.

Die anhaltende Gewalt belastet den jüngsten Staat Afrikas schwer. Das Land hatte sich vor knapp fünf Jahren vom nördlich gelegenen Sudan unabhängig erklärt, leidet aber weiter unter den Auseinandersetzungen der verschiedenen politischen Lager. Tausende Menschen sind vor den Kämpfen geflohen, unter anderem in den Sudan. Millionen Südsudanesen sind den UN zufolge von Hunger bedroht. Die Konflikte haben auch die Ölproduktion stark eingeschränkt. Sie ist die wichtigste Einnahmequelle des verarmten Staates.