Das Leben in Syrien gleicht für viele Menschen in Syrien einem Kampf ums Überleben. Davon zeugen bereits in der Vergangenheit unzählige Berichte. Nun berichtet ein Zusammenschluss von 24 Hilfsorganisationen, darunter Care, Oxfam, Save the Children, die Welthungerhilfe und World Vision, von neuen Grausamkeiten. So seien allein in den vergangenen drei Wochen knapp 400.000 Menschen von humanitärer Hilfe abgeschnitten. "Die derzeitigen Entwicklungen sind beschämend", sagte ein Sprecher der Koalition.

Die Helfer schreiben von verheerenden Szenen, etwa in Manbidsch, wo sich die Frontlinie verschoben hat und in der Folge Tausende Zivilisten keinen Zugang mehr zu Hilfe haben und ihre Häuser verlassen mussten. Oder in Aleppo, wo vor Kurzem die letzte Versorgungsroute in den von Oppositionsgruppen gehaltenen Stadtteilen von der syrischen Armee abgeriegelt worden ist. Weder Helfer noch Hilfsgüter dürfen dort nun passieren.

Hinzu kommen die ständigen Bombardements, die in Aleppo auch fünf medizinische Einrichtungen und Lebensmittellager getroffen haben. Knapp 10.000 Nahrungspakete wurden zerstört und schon bald, so die Hilfsorganisationen, werden die  übrigen Reserven aufgebraucht sein. Auch der Benzinvorrat – Grundvoraussetzung für den Betrieb medizinischer Einrichtungen und Wasserpumpen – werde gefährlich knapp.

Gesetzesloses Schlachten stoppen

Prekär auch die Lage in der Stadt Darayya, die seit mehr als vier Jahren belagert wird. Die Menschen sind so gezwungen, sich selbst zu versorgen. Der Vormarsch der Regierungstruppen dort hat nun 4.000 Menschen von ihren Feldern und der Wasserversorgung abgeschnitten. In Idlib wiederum gab es in den letzten Woche sehr viele Luftangriffe. Wohnhäuser und Infrastruktur wurden zerstört, etwa 3.500 Familien mussten in Nachbarbezirke fliehen.

"Die Menschen in Manbidsch, Aleppo, Idlib, Darayya und überall im Land leiden unter Hunger und Krankheiten", warnt Sonia Khush, Länderdirektorin von Save the Children in Syrien. Die Vorräte gingen rapide zur Neige. Frauen, Kinder und Männer werden hungern müssen, wenn die Konfliktparteien nicht gezwungen werden, den Weg für humanitäre Hilfe freigeben.

Vor sechs Monaten schon hatten die Mitglieder der Internationalen Unterstützergruppe für Syrien, die sich derzeit in Genf trifft, versprochen, im ganzen Land ungehinderten humanitären Zugang zu ermöglichen. Dieses Versprechen konnten sie offenbar nicht halten. Insbesondere die USA und Russland, die gemeinsam den Vorsitz dieses Treffens innehaben, trügen hier eine besondere Verantwortung, mahnten die Hilfsorganisationen. "Die vorherrschende Kultur der Straflosigkeit muss  beendet und das gesetzlose Schlachten gestoppt werden", forderte Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von Care Deutschland-Luxemburg.

"Besonders ertrag- und hoffnungsreiche" Gespräche

Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 wurden mehr als 280.000 Menschen getötet, Millionen weitere ergriffen die Flucht. Ende August will der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura die Konfliktparteien wieder an den Verhandlungstisch bringen. Ohne Details zu nennen, berichtete de Mistura von "bestimmten Fortschritten" und Vereinbarungen zwischen Russland und den USA. Sollte das passieren, könnte es diesmal "besonders ertrag- und hoffnungsreiche" Friedensgespräche geben.

Ein abgestimmtes Vorgehen Washingtons und Moskaus gilt als wichtige Voraussetzung für eine Verständigung zwischen den syrischen Konfliktgegnern. Während die USA Rebellen unterstützen, die den Sturz des Machthabers Baschar al-Assad anstreben, steht Russland auf der Seite der Regierung in Damaskus. Im Februar hatten die USA und Russland eine Waffenruhe erreicht, die jedoch immer wieder gebrochen wurde. Aus Protest gegen Luftangriffe der Regierungstruppen auf die Stadt Aleppo verließ die Opposition im April die Genfer Gespräche.