Tatort

Würzburg, in der Regionalbahn RB58130 aus Treuchtlingen

Tatverlauf

Ein 17-Jähriger greift mit einer Axt und einem Messer am 18. Juli Fahrgäste an. Dabei werden vier Menschen schwer verletzt und eine weitere Person leicht verletzt. Der Zug wird mit der Notbremse angehalten, daraufhin versucht der Junge zu Fuß zu flüchten. Bei der Verfolgungsjagd durch ein Sondereinsatzkommando wird er erschossen.

Täter

Der Junge war 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen und lebte seit Juli 2016 bei einer Pflegefamilie in der Nähe von Würzburg. Er galt als integriert, machte ein Praktikum mit Aussicht auf eine Lehrstelle.

IS

Es gibt Hinweise, dass der Täter Kontakt zum IS hatte und dass die Tat islamistisch motiviert war. Im Zimmer des Jungen wurde laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine handgemalte IS-Flagge gefunden. Die IS-Propagandaplattform Amaq veröffentlichte zudem ein Video, in dem der Täter Gewalttaten ankündigt. Die Ermittler schlossen zunächst nicht aus, "dass der Attentäter die Tat als Mitglied des 'Islamischen Staats' zielgerichtet begangen hat", gingen aber von einem Einzeltäter ohne konkrete Auftraggeber oder Komplizen aus. Aus Ermittlerkreisen heißt es inzwischen, der Mann soll bis wenige Minuten vor der Tat noch Kontakt in den Nahen Osten gehabt haben.

Radikalisierung

Laut den bisherigen Ermittlungen gab es keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung. Der Jugendliche sei als gläubiger Muslim wahrgenommen worden, aber keinesfalls radikal oder fanatisch erschienen, berichtete Herrmann von ersten Zeugenaussagen. Er sei als "eher ruhiger, ausgeglichener Mensch" beschrieben worden. Der Angreifer war den Sicherheitsbehörden auch nicht wegen extremistischer Aktivitäten bekannt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe keine Hinweise über ihn gehabt, sagte eine Behördensprecherin.

Lone Wolf?

Vorerst bleibt offen, ob der IS den Flüchtling gezielt einsetzte oder ob er im Sinne der Terrormiliz eigenständig handelte.