Ukip-Chef Farage tritt zurück Der Parteichef der EU-feindlichen Ukip in Großbritannien, Nigel Farage, hat seinen Rücktritt angekündigt. Bereits 2015 war er schon einmal vom Parteivorsitz zurückgetreten.

Der Chef der rechtspopulistischen britischen Partei Ukip, der seit Jahrzehnten für den EU-Austritt Großbritanniens kämpft, will nach eigenen Angaben "sein Leben zurückhaben". Deshalb erklärte Nigel Farage seinen Rücktritt als Parteichef. Während der Brexit-Kampagne hatte er stets gesagt, dass er sein Land zurückwill.

Farage sagte, mit der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union habe er sein politisches Ziel erreicht. Er war neben dem Ex-Bürgermeister Londons, Boris Johnson, einer der entschiedensten Verfechter des Brexit, für den sich bei einem Referendum vor eineinhalb Wochen knapp 52 Prozent der Briten aussprachen.

Farage stand mit Unterbrechungen seit 2006 an der Spitze der Unabhängigkeitspartei. Der Partei wolle er auch weiterhin angehören und deren politischen Kampf unterstützen, sagte er. Farage hatte als Ukip-Chef immer wieder mit populistischen und fremdenfeindlichen Parolen Schlagzeilen gemacht. Im Brexit-Wahlkampf hatte er vor allem die Einwanderung zum Thema gemacht. Kritiker warfen ihm vor, er schüre in der Bevölkerung Ängste gegen Ausländer.

Im Europaparlament will Farage bleiben

Als möglicher Kandidat für seine Nachfolge wird unter anderem der einzige Ukip-Abgeordnete im britischen Parlament, Douglas Carswell, gehandelt. Carswell, der in der Vergangenheit immer wieder mit Farage im Clinch lag, meinte aber, er habe kein Interesse.

Es ist schon das zweite Mal, dass Farage seinen Rückzug als Parteichef ankündigt. Dieses Mal werde es aber endgültig sein, sagte er. Seinen Sitz im Europäischen Parlament wolle er behalten, um die Brexit-Verhandlungen bis zum Ende mitzumachen. Vor einer Woche hatte er dort noch seinen Erfolg gefeiert. Farage sagte, die EU solle mit Großbritannien ein gutes Handelsabkommen schließen, sonst seien auch deutsche Arbeitsplätze in Gefahr. Großbritannien werde nicht das einzige Land sein, das die Gemeinschaft verlasse. Farage ist seit 17 Jahren Mitglied des Europaparlaments.

"Feige, planlos, verantwortungslos"

Führende EU-Politiker und politische Gegner kritisierten Farages Rücktritt scharf. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn nannte den Rückzug von Farage "sehr feige". Auf einmal zögen sich Politiker wie Boris Johnson und Farage "in ihr Schneckenhaus zurück", sagte er dem Tagesspiegel. Johnson, Ex-Bürgermeister von London und einer der prominentesten Brexit-Wortführer, hatte in der vergangenen Woche überraschend erklärt, sich nicht für die Nachfolge von David Cameron zu bewerben. Der bisherige Premier und Parteichef der Tories hatte sich für den Verbleib in der EU eingesetzt und hatte nach dem Brexit-Votum beim Referendum seinen Rückzug angekündigt.

In Deutschland kam Kritik unter anderem von der SPD und der Linken.

Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), nannte Farage einen "Feigling", der ein Chaos zurücklasse, das er selbst angerichtet habe. Er wolle nun sein Leben zurück, nachdem er vielen Briten das Leben schwer gemacht habe.

Auch der EU-Parlamentarier der konservativen ÖVP aus Österreich, Othmar Karas, äußerte sich empört. "Die Zündler schleichen sich davon." Die Absage Boris Johnsons und der Rücktritt Nigel Farages zeigten "die Verantwortungslosigkeit und Planlosigkeit der Brexit-Befürworter".