US-Präsident Barack Obama hat nach monatelangem Warten eine Wahlkampfveranstaltung der voraussichtlichen demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton besucht. Es ist der erste gemeinsame Auftritt von Obama und Clinton während des laufenden Wahlkampfs. "Ich glaube an sie", sagte der Präsident in seiner Rede in Charlotte, North Carolina. Er wolle Clinton helfen, zur Präsidentin gewählt zu werden.

Der Präsident skandierte "Hillary, Hillary" gemeinsam mit der Menge und umarmte Clinton auf der Bühne. Obama hob Clintons Verdienste als Außenministerin hervor, lobte ihr Urteilsvermögen und ihre Zuverlässigkeit. "Mein Vertrauen in Hillary ist immer belohnt worden", sagte er. Es habe nie eine Person gegeben, die für das Präsidentenamt qualifizierter wäre als Clinton, sagte Obama.

Trump hingegen sei keine Alternative: "Dies hier ist keine Realityshow, dies hier ist Realität." Dieser habe nichts anzubieten, wenn es darum gehe, die Wirtschaft voranzubringen. Selbst die Republikaner "wissen nicht, wovon er redet".

Obama und Clinton hatten in der Vergangenheit häufiger eng miteinander zu tun gehabt. Erst waren sie Kollegen im US-Senat, dann Rivalen bei der Wahl 2008. Schließlich unterstützte Clinton die Kandidatur Obamas und er machte sie nach seinem Sieg zur Außenministerin. Ihre Beziehung zu Obama beschrieb Clinton in ihrer Rede in Charlotte so: "Erst politische Rivalen, dann Partner, dann Freunde."

Clinton hofft, dass sie mit Obama mehr junge und linksgerichtete Wähler erreichen kann. Diese hatten bisher vor allem ihren Konkurrenten Bernie Sanders befürwortet. Neben Obama erhielt Clinton bisher außerdem öffentliche Unterstützung von US-Senatorin Elizabeth Warren. In dieser Woche wird sie zudem mit Vizepräsident Joe Biden auftreten.

Obama wollte Clinton bei einem Wahlkampfauftritt bereits im vergangenen Monat besuchen. Ein geplanter gemeinsamer Auftritt musste wegen der Massenschießerei in Orlando mit 49 Toten und mindestens 50 Verletzten allerdings abgesagt werden. Nachdem Clinton offiziell die Nominierung der demokratischen Partei erlangt hatte, befürwortete Obama Clintons Präsidentschaftsbewerbung bereits in einem Video.

"Extrem sorglos"

Nur Stunden vor Obamas Auftritt gab es neue Nachrichten in der E-Mail-Affäre, die Clinton seit Beginn ihres Wahlkampfs verfolgt. Die US-Bundespolizei empfahl nach einer Untersuchung, auf eine Anklage gegen Clinton zu verzichten. Das FBI warf Clinton allerdings vor, "extrem sorglos" gewesen zu sein. Während ihrer Amtszeit als Außenministerin hatte Clinton dienstliche Mails über private Server abgewickelt. Das FBI prüfte, ob sie privat geheime Informationen verschickte oder empfing. FBI-Direktor James Comey sagte: "Keine einzige dieser E-Mails hätte auf einem privaten Server sein dürfen."

Clintons Wahlkampfteam begrüßte das Urteil des FBI. Das Team hofft, dass mit dem Ende der Untersuchung auch die Kritik an Clinton wegen ihrer E-Mails abnimmt.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hingegen griff den Vorwurf des FBI auf, dass Clinton sich sehr sorglos verhalten habe. Er sagte in Bezug auf Clinton: "Wie gewohnt, schlechtes Urteilsvermögen". Trump machte auch in North Carolina Wahlkampf, während Obama bei Clinton auftrat.