Alles wie immer, trotz Terror in Nizza und Militärputsch in der Türkei. Donald Trump meldet sich per Twitter zu Wort: "Viele Tote und Verletzte. Wann werden wir endlich lernen?" Seine Konkurrentin Hillary Clinton gibt sich als Staatsfrau: "Wieder einmal, so scheint es, haben Terroristen einen unserer engsten Verbündeten in Europa getroffen." Beide, Clinton und Trump, haben für Europa in diesen Tagen kaum Zeit, so scheint es. Er schreibt 140 Zeichen:

Sie veröffentlicht ein kurzes Statement auf ihrer Website – mehr ist nicht drin:

Der US-amerikanische Wahlkampf ist in einer kritischen Phase: Am Montag beginnt in Cleveland der Parteitag der Republikaner, dort wird Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten gewählt. Eine Woche später kommen die Demokraten in Philadelphia zusammen, um Hillary Clinton als erste Frau in der Geschichte ins Rennen um das Weiße Haus zu schicken. Für die Not auf der anderen Seite des Atlantiks ist da wenig Platz. Überhaupt lässt sich sich im Wahlkampf mit Außenpolitik kaum Punkte machen.

Trump macht Clinton und Obama für Putschversuch verantwortlich

Das gilt besonders für Donald Trump. Dreht sich die Diskussion nicht um Innenpolitik oder Wirtschaft, kommt er schnell ins Straucheln. Als er während eines Radiointerviews 2015 zugeben musste, dass er den Unterschied zwischen der schiitischen Hisbollah-Miliz und der palästinensisch-sunnitischen Hamas nicht kennt, machten sich seine erfahrenen Konkurrenten wochenlang über ihn lustig. Geholfen hat es ihnen nicht. Trump hat sie alle aus dem Feld geschlagen. Und das, obwohl er während der Primaries reichlich unbefangen über einen Handelskrieg mit China und das Ende der Nato philosophiert hatte. 

Am Samstag trat Trump dann vor die Kameras; eigentlich ging es um die Nominierung seines möglichen Vizepräsidenten. In einem Nebensatz aber warf Trump dem US-Präsidenten und dessen Ex-Außenministerin vor, sowohl für den Anschlag von Nizza als auch für den Putschversuch gegen Präsident Erdoğan verantwortlich zu sein: "Wir sehen die Unruhen in der Türkei, ein weiterer Beweis für die Versäumnisse von Obama und Clinton", sagte Trump. Kein Wort der Erklärung, keine Zusammenhänge – Trump schafft seine eigenen Wahrheiten.