Die sozialistische Regierung Venezuelas hat die Besetzung einer Fabrik für Hygieneartikel des US-Konzerns Kimberly-Clark angeordnet. Die Fabrik in der Stadt Maracay, 120 Kilometer westlich von der Hauptstadt Caracas, sei nun "durch die Arbeiter besetzt" und nehme die Produktion unverzüglich wieder auf, kündigte Arbeitsminister Oswaldo Vera an. Präsident Nicolás Maduro warf den USA vor, sein Land durch eine wirtschaftliche "Inquisition" in die Knie zwingen zu wollen.

Das Unternehmen hatte kurz zuvor die Produktion eingestellt. Der US-Hersteller begründete den Schritt mit der galoppierenden Inflation in dem Land und damit, dass es kaum noch möglich sei, Grundstoffe für die Produktion zu erwerben.

In der Fabrik von Kimberly-Clark, einem weltweit führenden Produzenten von Hygieneartikeln, produzierten die 1.200 Mitarbeiter unter anderem Toiletten- und Hygienepapier sowie normalerweise bis zu 33 Millionen Windeln im Monat. Venezuela leidet seit mehr als einem Jahr unter einer dramatischen Versorgungskrise. Neben vielen Lebensmitteln sind vor allem Hygienartikel kaum zu bekommen. Regelmäßig protestieren die Menschen, weil sie keine Windeln oder Toilettenpapier kaufen können.

Als Kolumbien vor wenigen Tagen kurzzeitig in dem Ort Cúcuta die Grenze öffnete, strömten Medienberichten zufolge 35.000 Venezolaner zum Einkaufen in den Ort. Seit Monaten haben die Menschen in dem Land mit Engpässen bei Strom und Wasser zu kämpfen und müssen oft Stunden für einen Einkauf anstehen. Durch die höchste Inflation der Welt, eingebrochene Einnahmen aus dem Erdölgeschäft und fehlende Devisen kann Venezuela kaum Waren importieren. Zudem ist die Produktion in dem Land zum Erliegen gekommen. 

Arbeitsminister Vera will das nun ändern: Man organisiere die notwendigen Grundstoffe, es handele sich nur um eine vorübergehende Maßnahme, sagte er zu der Besetzung der Fabrik. Damit würden auch die Mitarbeiter geschützt, denen sonst Arbeitslosigkeit drohe. "Kimberly-Clark wird nun die Produktion für alle Venezolaner fortsetzen, jetzt liegt das in den Händen der Arbeiter."

Neben der wirtschaftlichen steckt Venezuela in einer politischen Krise. Die Opposition versucht, Präsident Nicolás Maduro mit einem Referendum noch in diesem Jahr abwählen zu lassen. Dieser hatte die Rechte des Parlaments eingeschränkt und per Dekret verfügt, dass das Militär Sondermaßnahmen zur Bekämpfung der Versorgungskrise ergreifen kann.