Das FBI hat Ermittlungen zu dem Hackerangriff auf das E-Mail-System der US-Demokraten eingeleitet. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte am Wochenende 20.000 E-Mails aus der Zeit von Januar 2015 bis Mai 2016 veröffentlicht. Die FBI-Ermittlungen sollen "die Natur und das Ausmaß" des Angriffs klären, teilte die US-Bundespolizei mit. "Ein Eingriff dieser Art ist etwas, das wir sehr ernst nehmen."

Die E-Mails legen nahe, dass sich die demokratische Parteiführung schon sehr früh für Hillary Clinton und gegen ihren parteiinternen Rivalen Bernie Sanders einsetzte. Die Veröffentlichung sorgte für Krisenstimmung beim Beginn des Nominierungsparteitags der Demokraten am Montag, der eigentlich zum Jubelfest für Clinton werden sollte.

Das Wahlkampfteam der designierten Präsidentschaftskandidatin Clinton machte Russland für den Angriff verantwortlich. Wahlkampfleiter John Podesta sagte, Russland wolle mit dem Hackerangriff zugunsten von Clintons republikanischem Rivalen Donald Trump Einfluss auf den US-Wahlkampf nehmen. Zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gebe es eine Art Männerfreundschaft, sagte Podesta. Trump bezeichnete die Vorwürfe als "Witz".

Die Mails brachten die Parteiführung der Demokraten in Bedrängnis, da sie darauf hindeuteten, dass Parteifunktionäre die Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton gegenüber ihrem innerparteilichen Ex-Rivalen Bernie Sanders bevorzugten. Die Parteiführung soll sich im internen Vorwahlwahlkampf eigentlich neutral verhalten. Mehrere E-Mails deuten aber darauf hin, dass sie die Kampagne von Sanders zu untergraben suchte. Die Parteivorsitzende Debbie Wasserman Schultz war am Sonntag bereits zurückgetreten.

Die Enthüllungen kamen kurz vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten und damit zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für Clinton. Die frühere Außenministerin sollte im Laufe des am Montagnachmittag (Ortszeit) beginnenden Parteitags in Philadelphia offiziell als Präsidentschaftskandidatin nominiert werden. Senator Sanders soll einer der Hauptredner am ersten Abend der Versammlung sein.

Auch Experten für Hackerangriffe nannten Russland als möglichen Verantwortlichen hinter den veröffentlichten E-Mails. Ein früherer Mitarbeiter der Defense Intelligence Agency, des militärischen Nachrichtendiensts der USA, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass er den Softwarecode von anderen russischen Hackerangriffen wiedererkenne.

Whistleblower Edward Snowden, der sich derzeit in Russland aufhält, kommentierte auf Twitter, dass Russland zur Verantwortung gezogen werden müsse, wenn es für den Hack verantwortlich sei. Er sagte aber auch, dass das FBI im Fall des Hackerangriffs auf Sony aus Nordkorea Beweise gehabt habe.