Internationale Hilfsorganisationen haben die von syrischen und russischen Truppen eingerichteten Fluchtkorridore für Hunderttausende eingekesselte Zivilisten in Aleppo kritisiert. Dies sei keine humanitäre Hilfsmaßnahme, teilten Save the Children, World Vision und Awo International gemeinsam mit 35 weiteren Organisationen mit. 

"Einen angeblich sicheren Fluchtweg anzubieten darf nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass die verbleibenden Menschen zu militärisch legitimierten Zielen werden", heißt es in der Mitteilung. Die Stadt dürfe nicht zu einem weiteren "Ort des Massensterbens" werden, der Belagerungszustand und die illegalen Angriffe auf Zivilisten müssten enden. Eine echte humanitäre Hilfsaktion würde die Bewohner von Aleppo nicht vor die Wahl stellen, "entweder in die Arme ihrer Angreifer zu fliehen oder in den belagerten und bombardierten Stadtteilen zu bleiben".

Syrische Regierungstruppen hatten im Juli alle Versorgungswege nach Aleppo erobert und dort bis zu 300.000 Bewohner eingekesselt. Aleppo gilt als wichtigstes Schlachtfeld im Bürgerkrieg. In der vergangenen Woche hatten syrische Streitkräfte erste Korridore geöffnet. Die UN fordern von Russland und Syrien, deren Verwaltung UN-Experten zu überlassen. 

In ihrer gemeinsamen Erklärung fordern die Hilfsorganisationen, dass Russland dieser Aufforderung Folge leistet. Ferner müsse das Land darauf hinwirken, dass die Konfliktparteien wöchentlich eine 48-stündige Feuerpause einhalten. Nur so lasse sich ein sicherer, ungehinderter und unverzüglicher humanitärer Zugang gewährleisten, über den Hilfsgüter nach Aleppo transportiert werden und Menschen freiwillig die Stadt verlassen können.