Es mangelt an allem: Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente und ärztliche Hilfe. Im Ostteil gibt es nur noch einige wenige Mediziner. Kliniken werden immer wieder beschossen, teilweise mit weltweit geächteten Waffen. Streubomben werden ebenso genutzt wie Fassbomben – vom Regime und seinen Verbündeten. Auch Napalm und Chlorgas sollen eingesetzt worden sein. Die Opfer: zumeist Zivilisten. Für die Überlebenden bedeutet die Schlacht um Aleppo ein Leben in ständiger Angst.

Welche Hilfe kann unter den herrschenden Kriegsbedingungen geleistet werden?

 Aleppo ist nicht nur heftig umkämpft, sondern weitgehend eingekesselt. Mitte Juli gelang es Einheiten des Regimes mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah, anderen schiitischen Milizen und der russischen Luftwaffe den letzten offenen Nachschubweg der Rebellen zu erobern. Der Ostteil der Stadt war damit von der Außenwelt abgeschnitten. Anfang August starteten vor allem sunnitische Kämpfer eine Gegenoffensive. Dabei gelang es ihnen zwar, einen neuen Korridor im Südwesten Aleppos zu schaffen. Doch von einer echten Kontrolle kann bisher keine Rede sein.

Vor einigen Wochen haben Moskau und Damaskus den Einwohnern angeboten, die Stadt über sogenannte Fluchtkorridore zu verlassen. Doch diese Möglichkeit wurde kaum genutzt. Zu groß war das Misstrauen der Menschen, sie könnten für Assads Truppen zur Zielscheibe werden. Außerdem gab es Berichte, dass die Rebellengruppen das Verlassen der Stadt verhindert haben. Die Vereinten Nationen hatten ohnehin moniert, dass es ihnen obliege, die Menschen in Sicherheit zu bringen und zu versorgen.

Vor wenigen Tagen dann erklärte sich Moskau bereit, unter bestimmten Umständen einer 48-stündigen Waffenruhe zuzustimmen. Doch die Feuerpause lässt weiter auf sich warten. Dabei wären die UN nach eigenen Angaben sofort in der Lage, Hilfsgüter vor allem in den belagerten Ostteil der Stadt zu liefern. 50 Lastwagen mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten stünden bereit.

Sollte eine Feuerpause zustande kommen, dann dient sie nach Einschätzung von Petra Becker, Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik für Syrien, vor allem einem Ziel: "Die Menschen sollen die Zeit nutzen, um aus der Stadt zu fliehen. Doch gerade Zivilisten, die im von den Aufständischen gehaltenen Osten Aleppos leben, werden ihre Heimat kaum verlassen – es ist einfach zu riskant." Zum einen, weil sie fürchten müssen, vom Regime als mögliche Komplizen der Rebellen abgestempelt und entsprechend behandelt zu werden. Nach der Einnahme der Stadt Homs 2014 wurden Berichten von Menschenrechtlern zufolge viele Männer festgenommen. Dutzende, wenn nicht Hunderte sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Zum anderen gibt es ohnehin in Aleppos Umgebung keine sicheren Rückzugsgebiete. "Fast überall wird gekämpft", sagt Becker. Um den Menschen in Aleppo zu helfen, müsse deshalb auch über eine Luftbrücke nachgedacht werden. "Es darf nicht sein, dass der regimekontrollierte Westteil der Stadt Hilfe erhält, während im Ostteil Menschen verhungern." In diesem Fall mache sich die Internationale Gemeinschaft der Beteiligung an einem Kriegsverbrechen schuldig. Für Becker steht zudem fest: "Eine Luftbrücke darf nicht von der Zustimmung des Regimes abhängig sein und muss deshalb notfalls militärisch durchgesetzt werden." Doch davor schreckten die USA und ihre Verbündeten zurück. Auch Hilfsorganisationen sehen in einer Versorgung der Menschen aus der Luft nur die allerletzte Möglichkeit. Es braucht vielmehr – da ist man sich einig – dringend eine Waffenruhe.