"Gott sei Dank", stöhnte Sarah Palin, Rechtsaußen der Republikaner, am Donnerstag verzweifelt. "Gott sei Dank" wolle Donald Trump wenigstens immer noch eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen.

Und damit ihr Präsidentschaftsfavorit nicht noch weiter auf dumme Gedanken kommt, schickte sie ihm gleich eine Warnung hinterher: Sollte er in Sachen Einwanderung plötzlich weiter wackeln, würden ihm die rechten Anhänger von der Fahne gehen. 

Donald Trump hatte zuvor erstmals die Bereitschaft angedeutet, seine harte Haltung in der Einwanderungsfrage ein wenig aufzuweichen. Alle illegalen Migranten zurück in ihre Heimat zu deportieren, sagte er, sei wirklich "sehr, sehr hart". Und am Donnerstag sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN: Die Millionen illegalen Latinos, die sich ansonsten in den Vereinigten Staaten nichts zu Schulden hätten kommen lassen, sollten zwar zurück über die Grenze nach Mexiko gehen, dürften aber wiederkommen, wenn sie Steuern zahlen würden.

Plötzlich sagte Donald Trump, was er bislang rigoros und kompromisslos abgelehnt hatte: Für die schätzungsweise elf Millionen illegalen Einwanderer könnte es auch unter ihm als Präsidenten einen Weg in die Legalität geben. Genau das war zuvor für ihn Teufelszeug, würde man die Illegalen doch damit nachträglich für einen Rechtsbruch belohnen. "A path towards legalization?" – niemals mit ihm, wurde er nicht müde zu betonen.

Seine neue Botschaft, wenn auch äußerst schwammig formuliert, saß. Rechte Anhänger schäumten, die anderen schüttelten ungläubig den Kopf. Dahinter verblasste fast völlig, dass Trump nach wie vor entlang des Rio Grande eine hohe Mauer bauen und die mexikanische Regierung dafür zahlen lassen will. Und dass er "Millionen, zumindest Hunderttausende" weiterhin zu deportieren gedenkt, weil sie Drogendealer und Gangsterbosse seien.

Was mögen in diesen Tagen wohl Jeb Bush und Marco Rubio denken, zwei Konkurrenten aus dem republikanischen Vorwahlkampf? Sie hatten damals vorgeschlagen, illegalen Einwanderern aus Lateinamerika unter strengen Bedingungen einen Weg zu einem rechtmäßigen Aufenthalt zu ebnen. Trump hatte sie dafür gekreuzigt und pausenlos als Weicheier beschimpft. Rubio, wütete Trump in einer der vielen Debatten, sei in Sachen Einwanderung "so weich wie ein Baby".

Markiert nun Trumps Einlenken die von der republikanischen Führung seit Langem geforderte Mäßigung? Will sich Donald Trump jetzt der politischen Mitte öffnen, so wie es etliche Wahlkampfstrategen verlangen, weil er nur dann eine Siegeschance habe? In den vergangenen Tagen ging Trump bereits auf schwarze und hispanische Wähler zu und entschuldigte sich für seine schlimmsten Ausfälle. Doch kommt das an? Und noch wichtiger: Wird Trump dieser Wandel geglaubt?