Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die US-Hilfsorganisation World Vision hat Israel einen palästinensischen UN-Mitarbeiter festgenommen. Der Ingenieur soll für das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) gearbeitet und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas geholfen haben, wie der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet mitteilte. Das UNDP zeigte sich "zutiefst besorgt" angesichts der Vorwürfe.


Die UN-Agentur bestätigte die Festnahme eines Auftragnehmers und kündigte eine interne Untersuchung an. Israel werfe ihm den Transport von 300 Tonnen Bauschutt von einem UNDP-Projekt zu einem Hafen der Hamas vor, heißt es in einer Erklärung. Nach israelischen Angaben sei der Mann bereits Mitte Juli festgenommen worden und werde nun angeklagt. Demnach wurde er von einem ranghohen Hamas-Mitglied beauftragt, seine Arbeit beim UNDP zu nutzen, um den "militärischen Interessen der Hamas" zu dienen. Er soll der Regierungserklärung zufolge eine Reihe von Vorwürfen eingeräumt haben – unter anderem die Abzweigung von Bauschutt. Dem UN-Mitarbeiter wird außerdem vorgeworfen, Verantwortliche des UNDP davon überzeugt zu haben, den Häuserbau in Gegenden zu bevorzugen, in denen Hamas-Mitglieder wohnen. Unklar blieb, wie viel Geld er möglicherweise abzweigte.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas bezeichnete die Vorwürfe als grundlos. Die Anschuldigungen seien Teil des israelischen Planes, die Blockade des Gazastreifens zu verschärfen. "Das Ziel ist, die Aktivitäten dieser Hilfsorganisationen zu beschränken", teilte ein Sprecher schriftlich mit.

Israel hatte zuvor am vergangenen Donnerstag einen palästinensischen Projektleiter der christlichen Hilfsorganisation World Vision angeklagt, der im Gazastreifen arbeitete. Der israelische Geheimdienst wirft dem Mann vor, Hilfsgelder in Höhe von bis zu 45 Millionen Euro an die Hamas weitergeleitet zu haben. Er soll 2014 wiederum einen Mitarbeiter von der Kinderhilfsorganisation Save the Children für die Essedin-al-Kassam-Brigaden rekrutiert haben, den bewaffneten Arm der Hamas. World Vision wies die Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin sagte, in den vergangenen Jahren habe das Budget für Gaza lediglich 22,5 Millionen Euro betragen.

World-Vision-Präsident Kevin Jenkins versicherte in einer Erklärung, seine Organisation werde "rasch und entschlossen handeln, wenn sich der geringste der Vorwürfe als zutreffend erweist". Allerdings hätten sie noch nicht "den mindesten Beweis" gesehen. World Vision ist mit mehr als 40.000 Mitarbeitern in knapp hundert Ländern eine der größten Hilfsorganisationen der Welt.

Israel ermittelt offensichtlich auch gegen einen Mitarbeiter der Kinderhilfsorganisation Save the Children. Die Organisation bestätigte eine Anfrage israelischer Behörden zu einem ihrer Mitarbeiter im Gazastreifen. Allerdings sagte ein Sprecher in Berlin: "Save the Children wurde bezüglich des Verdachtsfalls von den zuständigen Behörden bislang nicht über die Einzelheiten der Anschuldigungen informiert." Man habe eine interne Untersuchung angestrengt. Das israelische Außenministerium wollte sich nicht zu dem Fall äußern.

Israel wirft der Hamas vor, eine Terrorinfrastruktur zu unterhalten und Angriffe auf Israel zu verüben. Israel hat vor dem Gazastreifen eine Seeblockade verhängt.