Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hat die Äußerungen von Tschechiens Präsident Miloš Zeman kritisiert. Der hatte am Dienstag sein Parlament dazu aufgefordert, EU-Quoten zu ignorieren und keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen. Oettinger sagte dazu im Radiosender ffn: "Ich glaube schon, dass wir uns beschämend fragen müssen, ob wir nicht mehr für 300.000 eingeschlossene Syrer in Aleppo anzubieten haben." Die Menschen hungerten und schwebten in Lebensgefahr.

Wer als Präsident wie Zeman europäische Gesetzgebung so diffamiere, schwäche Europa insgesamt, kritisierte Oettinger. Er sehe zwar, dass Tschechien "historisch gesehen nicht so viele Asylgründe in der Verfassung stehen hat wie wir". Dennoch sei die Flüchtlingsquote mit großer Mehrheit beschlossen worden. Sie sei europäisches Recht.

Tschechien ist eines der osteuropäischen Länder, die sich lange gegen EU-weite Quoten zur Flüchtlingsverteilung gewehrt hatten. Im vergangenen September wurde dann beschlossen, dass auf das Land 2.700 Flüchtlinge kommen sollen. Momentan bereitet die tschechische Mitte-links-Regierung die Aufnahme von 80 Syrern gemäß dem EU-Türkei-Abkommen vor. Die dazu notwendige Sicherheitsüberprüfung werde aber nicht vor Jahresende abgeschlossen sein, hieß es vom Innenministerium.

In der Vergangenheit fiel Zeman bereits häufiger mit flüchtlingsfeindlichen Äußerungen auf. So wetterte der Präsident beispielsweise im Dezember gegen Asylbewerber. Er verglich sie mit einem Trojanischen Pferd und forderte junge Männer auf, nicht nach Europa zu fliehen, sondern in ihrer Heimat gegen die Islamisten zu kämpfen.

Im syrischen Aleppo droht derzeit eine humanitäre Katastrophe. Tausende Menschen sind in von Rebellen kontrollierten Vierteln eingeschlossen. Sie kämpfen ums Überleben, Lebensmittel werden knapp. Die Rebellen versuchen, den Belagerungsring der syrischen Regierung zu durchbrechen. Russland bombardiert den Osten der Stadt. In der ebenfalls umkämpften Provinz Idlib meldete der syrische Zivilschutz derweil einen Giftgasangriff. 33 Menschen seien mit Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht worden.