Problematisch werden für Hillary Clinton im Wahlkampf derzeit jedoch vor allem die Spenden aus Staaten, die das US-Außenministerium vor und sogar während ihrer Zeit im Amt für die Missachtung von Menschenrechten kritisiert hatte. Besonders die Riesenspende der Regierung von Saudi-Arabien in Höhe von über zehn Millionen Dollar halten Kritiker ihr im Wahlkampf immer wieder vor. Auch aus Katar, Kuwait, Oman, Algerien und den Vereinigten Arabischen Emiraten war Geld in die Kassen der Clintons geflossen. Politische Zugeständnisse von Seiten der Clintons lassen sich allerdings auch hier nicht belegen.

Jedes Jahr im September bringt die Stiftung in New York Politiker, Prominente und Wirtschaftsbosse zum Treffen der Clinton Global Initiative zusammen. Der Termin ist geschickt gewählt: Gleichzeitig laden traditionell auch die Vereinten Nationen zur Vollversammlung nach New York ein – die Wichtigen und Reichen sind deshalb ohnehin in der Stadt. Die Veranstaltung der Clintons gilt seit Jahren als Klassentreffen der globalen Elite. Dabei geht es nicht zuerst darum, noch mehr Spenden aufzutreiben: Die mächtigen Akteure aus aller Welt knüpfen unter der Schirmherrschaft der Clintons ein riesiges Netzwerk.

Oligarchen-Kontakte machen schlechten Eindruck

Genau diese Kontakte werden für die demokratische Präsidentschaftskandidatin jetzt zum Problem. Denn es sind Männer wie der ukrainische Oligarch Viktor Pintschuk (der Schwiegersohn des ukrainischen Ex-Präsidenten Leonid Kutschma), der in der Vergangenheit zwischen 10 und 25 Millionen Dollar an die Stiftung zahlte und nun in den E-Mails der Clinton-Mitarbeiter auftaucht.

Pintschuks amerikanischen Konkurrenten warfen dem Stahlunternehmer und seinen Kollegen aus der Ukraine im Jahr 2013 vor, den amerikanischen Markt mit illegalen Billigprodukten geflutet zu haben. Wie durch die Veröffentlichung der E-Mails nun hervorgeht, stand Pintschuks Name ein Jahr zuvor jedoch auf der achtseitigen Gästeliste einer Dinnerparty im Privathaus des Ex-Präsidenten und seiner Frau. Zu dieser Zeit war Hillary Clinton bereits im Amt. Pintschuks Leute bestreiten heute, dass es zwischen der Außenministerin und dem Unternehmer je zu geschäftlichen Gesprächen gekommen sei – man habe sich ausschließlich über die politische Zukunft der Ukraine unterhalten.

Für Bill Clinton ist die Nähe zu Wirtschaftsgrößen wie Pintschuk oder dem Kronprinzen von Bahrain kein echtes Hindernis – schließlich hat er keine Ambitionen mehr auf ein weiteres politisches Amt. Mit wem er sich im Rahmen seiner Arbeit für die Clinton Foundation trifft, ist weitgehend seine Sache. Wäre da nicht seine Frau. Denn Hillary Clintons Karriere steht derzeit wohl vor ihrem größten Schub: Sie hat gute Chancen, die Wahl im November zu gewinnen.

Doch selbst im Fall eines Siegs werden ihr die engen Verbindungen zur Wirtschaft weiterhin zur Last fallen. Zu intransparent ging die Stiftung in der Vergangenheit mit den Spenderlisten um, zu schillernd sind die Kontakte der Familie. Auch eine Präsidentin Clinton müsste sich wohl für jede wirtschaftspolitische Maßnahme rechtfertigen, die den Geschäften ihrer ehemaligen Spender zugutekäme.