Bikini, Burkini, Hauptsache Strand – oder? (Archivbild) © Fadel Senna/AFP/Getty Images

Seit Wochen wird in Frankreich über ein Stückchen Stoff debattiert: Heute soll der Streit um Burkinis an Frankreichs Stränden richterlich entschärft werden: Am Nachmittag will das oberste Pariser Verwaltungsgericht darüber entscheiden, ob ein Verbot des Burkinis am Strand der südfranzösischen Kommune Villeneuve-Loubet rechtmäßig ist. Ein Grundsatzurteil mit großer Wirkung: Inzwischen haben mehr als 30 Städte den Badeschleier untersagt.

Der Richterspruch wird die heftige Diskussion in Frankreich aber vermutlich nicht beenden können. Längst geht es nicht mehr nur um den Ganzkörperbadeanzug, sondern generell um religiöse und vor allem muslimische Symbole in der Öffentlichkeit. Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl überbieten sich vor allem die Kandidaten der Rechten darin, die Rolle von Religionen im öffentlichen Leben grundsätzlich beschneiden zu wollen. Laizismus, also die Trennung von Religion und Staat, ist in Frankreich ein hohes Gut – und es bietet nach den islamistischen Attentaten eine Gelegenheit, verängstigten Wählern Aktionismus und Tatkraft vorzuführen.

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, erneuter Anwärter für das höchste Amt in 2017, plädiert in einem Interview dafür, "jedes religiöse Zeichen nicht nur aus den Universitäten und Schulen, sondern auch aus der Verwaltung und den Unternehmen zu verbannen". Der rechtsextreme Front National fordert gleich ein "grundsätzliches Verbot in der Öffentlichkeit von religiösen Symbolen". Würde dieses Gesetz durchgesetzt, so würden nicht nur Kopftücher, sondern auch die jüdische Kippa und christliche Soutane aus dem öffentlichen Leben verbannt. Bislang sind in Frankreich nur in Schulen Kopftücher untersagt, der Ganzkörperschleier, die Burka und der Nikab sind hingegen seit fünf Jahren in der gesamten Öffentlichkeit untersagt.

Burkini-Erfinderin - Bademode hilft bei Integration Kopfschüttelnd wird in einigen Teilen der Welt derzeit das Burkiniverbot an französischen Stränden verfolgt. Aheda Zanetti ist die Erfinderin des Kleidungsstücks und lebt in Australien. Dort wird der Burkini als Zeichen der Integration betrachtet.

Die sozialistische Regierung ist in der Burkinifrage genauso gespalten wie das Land: Premierminister Manuel Valls unterstützt die Verbote. Seine Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem dagegen fürchtet, dass die Verbannung der Burkinis den Weg für Rassismus ebnet. Präsident François Hollande verzichtet zwar darauf, explizit Stellung zu beziehen. Er rief aber zur Mäßigung auf. Es dürfe "weder Provokation noch Stigmatisierung" geben.

"Der Burkini lässt Hände und Gesicht frei und ist damit einfach nur ein Kopftuch zum Baden", hatte der Anwalt der klagenden Menschenrechtsorganisation LDH, Patrice Spinosi, bei der öffentlichen Verhandlung am Donnerstag argumentiert. "Frankreich hat Angst. Aber die Justiz darf dieser Angst nicht nachgeben und Grundrechte beschneiden", sagte er.

Die Furcht der Bürgerinnen und Bürger und ihrer Politiker ist wenige Wochen nach dem Attentat in Nizza, bei dem ein Terrorist mit einem Schwerlaster 86 Menschen in den Tod riss, das wichtigste Argument der Bürgermeister. Sie verkaufen das Burkiniverbot als eine Lösung im Kampf gegen "Spannungen in der Gesellschaft" und den Terrorismus und für mehr Sicherheit, in Umfragen begrüßen dies viele Franzosen. Dabei wurde das Kleidungsstück jahrelang am Strand toleriert, ohnehin tragen es nur sehr wenige Frauen.