Frankreich will die islamischen Institutionen im Land neu aufstellen und so eine Radikalisierung von Muslimen verhindern. "Wir brauchen einen Islam, der mit beiden Füßen in der Republik steht", sagte Innenminister Bernard Cazeneuve nach Beratungen mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft in Paris.

Unter anderem sollen Imame Französisch sprechen und in Frankreich ausgebildet werden. Cazeneuve kündigte eine Stiftung und eine religiöse Vereinigung an, die neue Geldquellen für den Bau von Moscheen, eine bessere Ausbildung von Imamen und islamwissenschaftliche Studien erschließen sollen.

Damit soll der Einfluss ausländischer Geldgeber verringert werden; Hasspredigern soll so keine Chance gegeben werden. Von einem Verbot ausländischer Finanzspritzen für den Bau von Moscheen, wofür Premierminister Manuel Valls plädiert hatte, war nach dem Treffen allerdings keine Rede. Die Frage nach der Organisation der Islaminstitutionen ist seit Jahren ein Thema, hat infolge der zahlreichen islamistischen Anschläge aber neue Brisanz gewonnen. Auch der muslimische Dachverband in Frankreich CFCM ist dafür.

Die neue Stiftung soll Geld vom Staat erhalten und Spenden sammeln. Sie könnte etwa die weltliche Ausbildung der Imame finanzieren. Geführt werden soll die Stiftung vom früheren Innenminister Jean-Pierre Chevènement, im Vorstand wird auch der Schriftsteller Tahar Ben Jelloun sitzen.

Wegen der vorgeschriebenen strikten Trennung von Kirche und Staat darf die staatlich unterstützte Stiftung nicht die theologische Ausbildung oder den Bau von Moscheen bezahlen. Deshalb soll auch eine religiöse Vereinigung entstehen, die über eine Abgabe für die Zertifizierung von Halal-Produkten, also die muslimischen Speisevorschriften entsprechen, finanziert werden könnte. Details sollen bis Dezember ausgearbeitet werden.

Das Treffen wurde vom Streit um Ganzkörperbadeanzüge für Musliminnen überschattet. Cazeneuve stellte sich gegen ein von der Opposition gefordertes Antiburkinigesetz. Ein erstes Verbot hatte der Oberste Gerichtshof bereits gekippt. Dies wäre "verfassungswidrig, unwirksam und dazu geeignet, Feindseligkeiten und nicht wiedergutzumachende Spannungen hervorzurufen", sagte er der katholischen Zeitung La Croix.

Gleichzeitig gibt es in Frankreich immer wieder Anfeindungen gegen Muslime. In Tremblay-en-France, einer Kleinstadt im Nordosten von Paris, beschimpfte etwa ein Restaurantbesitzer zwei Musliminnen rassistisch und wies sie an, zu gehen. Im Jahr 2015 hatte sich die Zahl anti-muslimischer Übergriffe und Anfeindungen bereits im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.