Zehntausende Heranwachsende werden seit Mitte 2014 in den Schulen des "Islamischen Kalifates" indoktriniert. Die Schulbücher, die Hass und Verachtung gegenüber Andersgläubigen lehren, stammen fast alle aus Saudi-Arabien. Obendrein entwickelte der IS ein spezielles Lern-App für "die Jungen des Kalifats", das den Kleinen das arabische Alphabet auf Dschihadistenmanier beibringen soll. Jeder Buchstabe ist als Merkhilfe verknüpft mit dem Bild von Panzern, Gewehren, Granaten, Minen oder Schwertern.

Mit dieser diabolischen Praxis steht der "Islamische Staat" im Nahen und Mittleren Osten keineswegs allein. Auch die Taliban in Pakistan unterhalten Anstalten, in denen sie minderjährige Selbstmordattentäter ausbilden. Die Huthis im Jemen setzen Kinder als Soldaten ein, die libanesische Hisbollah rekrutiert Jugendliche, um die Verluste auf dem syrischen Schlachtfeld auszugleichen.

Das jüngste Kind ist fünf

Keine der radikalen Organisationen jedoch setzt Kinder und Jugendliche so schockierend und bewusst zu Propagandazwecken ein wie der "Islamische Staat". So zeigt inzwischen eine Fülle von Videos maskierte Kinder oder Teenager, die vor ihnen kniende Soldaten oder angeblich enttarnte Spione per Kopfschuss hinrichten.

Und um den Schrecken noch zu steigern, wurden kürzlich in einem neuen IS-Propagandastreifen 1.400 jesidische Kinder vorgeführt, die angeblich zu Selbstmordattentätern ausgebildet werden sollen, das Jüngste gerade einmal fünf Jahre alt. Denn immer noch befinden sich rund 3.800 Jesiden in der Hand der Gotteskrieger, lediglich 2.600 konnten bisher freigekauft werden.

Täglich kommen Menschen aus der IS-Sklaverei zurück, berichtet Baba Cawis, der religiöse Wächter des jesidischen Heiligtums im nordirakischen Lalisch. Der gefangene Nachwuchs seiner religiösen Minderheit ist jetzt bereits zwei Jahre der IS-Gehirnwäsche ausgesetzt. "Die Leute hier haben inzwischen Angst vor den eigenen Kindern, dass sie genauso gewalttätig werden wie der IS", sagt er. "Denn Kinder – die sind wie ein weißes Buch."