Nach fast vierjährigen Verhandlungen hat die kolumbianische Regierung Frieden mit den linken Farc-Rebellen geschlossen. Seit 2012 hatten Vertreter beider Seiten in der kubanischen Hauptstadt Havanna an einem Friedenspaket gearbeitet. Der Vertrag solle Ende September unterzeichnet werden, teilte die Regierung mit. Im Oktober dürfen die Kolumbianer in einem Referendum über den Friedensvertrag abstimmen.

Der Beauftragte des Auswärtigen Amts für den Friedensprozess in Kolumbien, Tom Koenigs (Grüne), gratulierte "zum Durchbruch in den Verhandlungen um einen Friedensvertrag, der mehr als 50 Jahre Guerillakrieg beenden soll". Koenigs forderte auch die kleinere Guerillatruppe ELN und "alle die, die nach wie vor auf den bewaffneten Kampf setzen" auf, ihre Waffen niederzulegen.

Seit Tagen feilten Unterhändler der Regierung und der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia/Farc) an den letzten Details – bis zu 18 Stunden in Folge. Thema war unter anderem, wie die linksgerichteten Rebellen nach Niederlegung ihrer Waffen vor Angriffen durch rechte Paramilitärs geschützt werden können. Auch wie die Rebellen, die in den Drogenhandel involviert sind, ein politisches Projekt gründen können, stand zur Diskussion.

Mit der linken Partei Unión Patriótica (UP) hatte die Farc in den 1980er Jahren schon einmal versucht, in die Politik einzusteigen. Paramilitärs töteten Tausende Anhänger und Politiker der UP, worauf sich der Kampf im Untergrund verschärfte.

Frieden lässt Kolumbiens Wirtschaft wachsen

Diskutiert wurde zuletzt vor allem noch die Finanzierung des Friedensprozesses und die Sicherung von 17 Friedenszonen im Land, in denen frühere Farc-Kämpfer legal leben können. Bereits vereinbart ist eine Sonderjustiz, die Haftstrafen von maximal acht Jahren vergibt. Etwa 2.000 inhaftierte Kämpfer können beim Abschluss eines Vertrags auf ihre Entlassung hoffen. Derzeit soll die Farc noch 8.000 Kämpfer haben.

Ein Waffenstillstand war schon Ende Juni erreicht worden. Einer Studie zufolge haben die Verhandlungen bewirkt, dass die Situation so entspannt ist wie seit Beginn der Kämpfe zwischen Militär und Rebellen 1964 nicht mehr. In den vergangenen Monaten habe es die wenigsten zivilen Opfer, getöteten Kämpfer und gewaltsamen Aktionen gegeben, teilte das Zentrum für Konfliktstudien (Cerac) mit. Im internen Konflikt Kolumbiens starben seit den 1960er Jahren mehr als 220.000 Menschen; etwa fünf Millionen Menschen mussten fliehen.

400 Millionen Euro von der EU

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos bei einem Treffen in Bogotá wirtschaftliche und politische Unterstützung in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro zu.

Nach dem Ende des Konflikts wird ein weiterer Anstieg der Wirtschaftsleistung erwartet, da Unternehmen dann auch in bisher unsicheren Regionen investieren könnten. Für 2016 rechnet Kolumbien mit einem Wachstum von etwa drei Prozent – das stärkste in Südamerika. Bereits 2015 legte die Wirtschaftsleistung in Kolumbien um 3,1 Prozent zu. Deutschland ist inzwischen der viertgrößte Lieferant von Waren nach Kolumbien und der achtgrößte Abnehmer kolumbianischer Produkte. Dazu gehören Kaffee, Bananen, Palmöl, Schnittblumen und Steinkohle.