Nach einem Jahr des Abschottens soll der Grenzübergang zwischen Kolumbien und Venezuela Schritt für Schritt wieder geöffnet werden. Das teilte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos nach einem Treffen mit seinem venezolanischen Kollegen Nicolás Maduro mit. Ab Samstag sollen zunächst fünf Übergänge für Fußgänger freigegeben werden.

Venezuela hatte die Grenze im August vergangenen Jahres geschlossen, weil bei einem Überfall einer bewaffneten Bande aus Kolumbien drei venezolanische Soldaten verletzt wurden. Präsident Maduro befürchtet, dass kolumbianische Paramilitärs sein Land destabilisieren wollen.

Zuletzt hatten die Regierungen der beiden südamerikanischen Länder die Grenze tageweise geöffnet, damit Venezolaner in Kolumbien einkaufen können. Zehntausende deckten sich bei diesen Gelegenheiten mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Dingen ein, denn Venezuela leidet seit Monaten unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Wegen des niedrigen Ölpreises verfügt das vom Energiesektor abhängige Land nicht über genügend Devisen, um Rohstoffe und Importwaren einzuführen.

Die sozialistische Regierung von Maduro macht für die Krise einen vom Ausland und Unternehmerkreisen angezettelten "Wirtschaftskrieg" verantwortlich. Nach Einschätzung von Kritikern und ausländischen Beobachtern hat die Regierung die Misere durch ihre fehlgeleitete Wirtschaftspolitik jedoch selbst herbeigeführt.

Die desolate wirtschaftliche Lage führt zu viel Schmuggel im Grenzgebiet. Stark subventioniertes Benzin wird von Venezuela nach Kolumbien geschafft, in die Gegenrichtung werden Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs gebracht. Diese sind in Venezuela Mangelware. Um die illegalen Geschäfte in Zukunft zu unterbinden, soll nun der staatliche venezolanische Ölkonzern PDVSA im kolumbianischen Grenzgebiet Tankstellen betreiben, an denen der Treibstoff billiger als im Rest des Landes abgegeben wird.

Bei ihrem Treffen gaben die Staatschefs außerdem bekannt, dass der Grenzverkehr für Autos und Lastwagen langsam wieder aufgenommen werden soll. Allerdings sollen auch die Kontrollen verschärft werden. Zudem einigten sich Santos und Maduro auf eine engere Kooperation der Sicherheitsbehörden beider Länder im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.