In Libyen haben Truppen der UN-gestützten Einheitsregierung einen Angriff auf die letzten von Dschihadisten kontrollierten Viertel der Küstenstadt Sirte gestartet. "Die letzte Schlacht um Sirte hat begonnen", sagte ein Sprecher der Regierungstruppen am Sonntag. Etwa 1.000 Soldaten seien in die beiden Stadtteile eingedrungen, die noch von der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrolliert werden. Nach Informationen aus einem Lazarett sollen inzwischen mehr als 30 libysche Kämpfer getötet und mehr als 180 verletzt worden sein.

Die vor allem aus Misrata stammenden libyschen Truppen erklärten, sie stünden kurz vor einem Sieg über den IS; sie müssten sich aber mit Selbstmord-Kämpfern, Scharfschützen und Minen auseinandersetzen. Die Truppen setzten Panzer, Raketen und Fla-Kanonen ein, um sich durch die Stellungen der Scharfschützen durchzukämpfen. Die IS-Kämpfer hätten am Sonntag fünf Autobombenanschläge versucht, um den Vormarsch der libyschen Truppen zu verhindern.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete mehrere Panzer und gepanzerte Fahrzeugen, die in Richtung eines der beiden Viertel vorrückten. Anschließend waren Gewehrfeuer und Explosionen zu hören. Den Regierungstruppen zufolge war der Vormarsch in der Nacht durch US-Luftangriffe auf Stellungen der Dschihadisten vorbereitet worden.

Die IS-Miliz hat Sirte seit Juni 2015 unter ihrer Kontrolle. Im Mai dieses Jahres begann eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt. Der Verlust der 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt wäre ein schwerer Schlag für die Dschihadisten. Sirte bildet die Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten des ölreichen Landes.

Nach dem Sturz und dem Tod des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi infolge eines französischen und britischen Militäreinsatzes im Jahr 2011 war das nordafrikanische Land ins Chaos gestürzt. Seitdem beherrschen verfeindete Milizen den Staat. Der IS nutzte die unübersichtliche Lage in Libyen, um sich auszubreiten, unter anderem in Gaddafis Heimatstadt Sirte.