Mali - Prozess um Zerstörungen in Timbuktu In Den Haag beginnt am Montag der erste Prozess wegen Kriegsverbrechen während des Konflikts im westafrikanischen Mali. Ein Islamist muss sich für die Zerstörung von neun Mausoleen und einer Moschee verantworten.

Zum ersten Mal muss sich ein mutmaßlicher Dschihadist wegen eines vorsätzlichen Angriffs auf religiöse oder historische Monumente vor Gericht verantworten. Am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat an diesem Montag der Prozess um die zerstörten Unesco-Weltkulturerbestätten von Timbuktu begonnen. Der Islamist Ahmad al-Faqi al-Mahdi soll 2012 die Zerstörung von neun Mausoleen und eines Teils der Sidi-Yahia-Moschee in der Wüstenstadt im Norden Malis angeordnet haben. Die Anklage des Internationalen Strafgerichtshofes wirft ihm Kriegsverbrechen vor.

Laut Staatsanwaltschaft wurde Al-Mahdi als Experte für islamisches Recht und damit als Sittenwächter von der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine eingesetzt. Nach deren äußerst strenger Auslegung des Koran ist die Anbetung Heiliger wie an den Mausoleen von Timbuktu verboten.

Zu Beginn des Prozesses hat sich der Angehörige des Tuareg-Volkes schuldig bekannt. Er lege sein Schuldbekenntnis mit "tiefem Bedauern und in großem Schmerz" ab, sagte Al-Mahdi in Den Haag. Andere Muslime rief er dazu auf, nicht seinem Beispiel zu folgen. "Das wird zu nichts Gutem für die Menschheit führen", sagte er. Weil er sein Geständnis bereits vorab angekündigt hatte, setzte das Gericht für den Prozess lediglich eine Woche an.

Beobachter rechnen mit einem raschen Urteil. Im Fall einer Verurteilung – es wäre erst der vierte Schuldspruch seit Gründung des IStGH 2002 – drohen dem Angeklagten bis zu 30 Jahre Haft. Aktivisten kritisieren, dass das Gericht den Extremisten mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida nicht auch wegen weiterer Straftaten gegen die Zivilbevölkerung wie etwa Vergewaltigung und sexuelle Versklavung angeklagt hat.

"Zerstörung der Wurzeln eines gesamten Volkes"

Chefanklägerin Fatou Bensouda sagte im Gericht, dass eine Verurteilung einen klaren Präzedenzfall schaffen und eine positive Botschaft an die gesamte Welt senden würde. Sie verglich den Angriff mit der Zerstörung der syrischen Ruinenstadt Palmyra durch den "Islamischen Staat". "Dies ist die Zerstörung der Wurzeln eines gesamten Volkes", sagte Bensouda. Diese Angriffe seien oft eine Vorstufe von "Attacken auf den Menschen".

Vor vier Jahren herrschten die Extremisten von Ansar Dine für etwa ein Jahr über den Norden Malis und zerstörten 14 der insgesamt 16 Mausoleen der alten Stadt, die die Vereinten Nationen zum Weltkulturerbe zählen. Die meisten von ihnen wurden in der Zwischenzeit wieder restauriert. In seiner Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert beherbergte Timbuktu 180 Schulen und Universitäten mit Tausenden von Schülern aus der muslimischen Welt. Die Wüstenstadt Timbuktu war jahrhundertelang ein wichtiges Kulturzentrum des Islam. Die Zerstörung der mittelalterlichen Bauwerke 2012 hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.