Der ehemalige Weltbankchef und Vize-Verteidigungsminister unter George W. Bush, Paul Wolfowitz, will am 8. November vermutlich Hillary Clinton wählen – aus Mangel an Alternativen. Donald Trump könne er als Kandidaten seiner Partei nicht unterstützen, sagte Wolfowitz dem Spiegel. "Ich wünschte, es gäbe einen Kandidaten, für den ich überzeugt stimmen könnte", sagte er. "Ich werde wohl Hillary Clinton wählen müssen."

Gegen die ehemalige Außenministerin habe er zwar große Vorbehalte, Donald Trump halte er aber für ein Sicherheitsrisiko. Dessen große Nähe zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin finde er "verstörend".

Damit schließt sich Wolfowitz einer wachsenden Gruppe prominenter Republikaner an, die Trump öffentlich ihre Unterstützung versagen. Darunter sind viele Senatoren und Gouverneure, aber auch Sicherheitsexperten der Partei.

Nur drei bis fünf Prozentpunkte Vorsprung

Hillary Clinton kann den öffentlichen Zuspruch gebrauchen. Zweieinhalb Monate vor der Wahl hat sich ihr Vorsprung vor Trump auf fünf Punkte verringert. Nur noch 41 Prozent der Wähler sprachen sich laut der am Freitag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage für Clinton aus, 36 Prozent für Trump. 23 Prozent der 1.154 Befragten entschieden sich für keinen der beiden Kandidaten; sie lehnten eine Antwort ab, würden einen anderen oder gar nicht wählen.

Nach einer separaten Reuters/Ipsos-Umfrage, die auch Kandidaten kleinerer Parteien einbezieht, ist Clintons Vorsprung sogar noch geringer: Rund 39 Prozent würden sich demnach für sie entscheiden, 36 Prozent für Trump, sieben Prozent für den libertären Kandidaten Gary Johnson und drei Prozent für die Grüne Jill Stein.

Noch am vergangenen Dienstag hatte Clinton mit zwölf Punkten geführt. Seither wurden Vorwürfe laut, sie habe Großspendern ihrer Familienstiftung in ihrer Zeit als Außenministerin bevorzugt Zugang gegeben. Bei der Analyse von Clintons Terminkalender aus ihrer Zeit als Ministerin hatte die Nachrichtenagentur AP herausgefunden, dass 85 der insgesamt 154 Menschen, die Clinton während ihrer Amtszeit getroffen hat, zuvor der Stiftung von Clintons Ehemann Bill gespendet hatten. In der Zählung lässt AP jedoch Regierungsvertreter sämtlicher Staaten aus; insgesamt traf Clinton weitaus mehr als 154 Menschen. Zudem gab es neue Fragen zur Nutzung ihres privaten E-Mail-Servers in ihrer Funktion als Ministerin.

Clinton bestreitet die Vorwürfe. "Das sind Leute, bei denen ich stolz war, sie zu treffen, um ihre Arbeit und ihre Ansichten kennenzulernen, so wie jeder andere Außenminister stolz gewesen wäre", sagte sie dem Fernsehsender CNN.

Clintons Termine werden erst nach der Wahl veröffentlicht

Das US-Außenministerium teilte mit, es werde die Veröffentlichung von Clintons Terminen als Ministerin erst Ende Dezember abschließen, also nach der Wahl. Ein Richter hatte vor sieben Monaten angeordnet, den minutengenauen Ablauf von Clintons Amtsgeschäften bis zum 15. Oktober zugänglich zu machen. Bislang hat das Außenministerium etwa die Hälfte der Termine bereitgestellt. Übrig sind noch etwa 2.700 Seiten, die nach Ministeriumsangaben einzeln geprüft werden müssen, um private Daten wie persönliche Telefonnummern oder E-Mails zu entfernen. Zum Stand der Arbeiten wollte sich Ministeriumssprecherin Elizabeth Trudeau nicht äußern.

Donald Trumps Wahlkampfteam nannte das Verhalten des Außenministeriums inakzeptabel. "Die Wähler verdienen es, die Wahrheit zu wissen, bevor sie ihre Stimme abgeben", sagte Trump-Sprecher Jason Miller.