Auf den Straßen der Philippinen sammeln sich jede Nacht die Leichen. Die Mörder kommen aus dem Nichts, oft auf Motorrädern. Sie schießen ihre Opfer nieder, und bevor sie wieder verschwinden, legen sie noch Schilder neben die leblosen Körper. "Ich bin ein chinesischer Drogenboss" steht darauf. Oder: "Ich bin ein Taschendieb, folge nicht meinem Beispiel".

Allein am ersten August wurden vier solcher Hinrichtungen dokumentiert, die Opfer des zweiten und dritten Augusts werden noch ausgezählt. Redakteure der Nachrichtenseite Inquirer haben in ihrer "Kill List" insgesamt 512 Todesfälle gesammelt.

Ihre Liste ist die Chronologie einer dramatischen, mörderischen Wende, die die philippinische Drogenpolitik im vergangenen Monat genommen hat. Der Inselstaat gilt eigentlich als funktionierende und lebhafte Demokratie. Nun ziehen hier nachts Unbekannte durch die Straßen und ermorden Drogenabhängige. Sie tun das mit staatlicher Billigung, wenn nicht gar Auftrag. Wie konnte es soweit kommen?

Der Präsident rief zur Lynchjustiz auf

Es begann auf der südlichen Insel Mindanao, in der katholischen Stadt Davao. Lange Zeit galt sie als Mordhauptstadt, dann kam Rodrigo Duterte. 22 Jahre lang regierte er dort als Bürgermeister und drohte Dealern und Gangstern damit, dass sie seine Stadt entweder senkrecht oder waagrecht verlassen würden. Tatsächlich wurde Davao zu einer der sichersten Städte des Landes. Todesschwadronen auf Motorrädern hatten wortwörtlich weite Teile der Kriminalität ausgerottet. Sie werden mit DDS für Davao Death Squads abgekürzt.

Heute ist Duterte der Präsident der Philippinen und hat seine Death Squads gleich mitgebracht. Am Tag seines Amtsantritts fuhr er in einen Slum bei Manila und hetzte gegen Drogendealer und -abhängige. "Das sind Hurensöhne, die unsere Kinder zerstören", sagte er und rief zur Lynchjustiz auf. "Wenn Sie einen Abhängigen sehen, zögern Sie nicht und töten Sie ihn. Es wäre zu schmerzhaft, wenn die Eltern es selbst tun müssten." Später verlas er die Namen mutmaßlicher Dealer.