Russland hat nach eigenen Angaben Anschläge des ukrainischen Militärs auf der Krim vereitelt. Bei "Zusammenstößen mit sabotierenden terroristischen Gruppen" seien ein russischer Soldat und ein Agent getötet worden, teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB mit. Ein Offizier der Gegenseite sei festgenommen worden, zudem sei ein Sprengstofflager entdeckt worden.

Ziel der Aktion war laut Angaben des FSB die Infrastruktur auf der von Russland annektierten Halbinsel. Der Angriff habe der "sozialen und politischen Stabilität" gegolten.

Russlands Präsident Wladimir Putin zeigte sich empört. Die Erkenntnisse des FSB seien eine sehr alarmierende Neuigkeit. Verhindert worden sei ein "Einfall einer Sabotagegruppe des ukrainischen Verteidigungsministeriums" auf der Krim. Die ukrainische Führung sei zum Terror übergegangen und habe eine "dumme und kriminelle" Aktion unternommen. Der Tod der beiden Russen werde nicht ungesühnt bleiben. Die Ukraine spiele ein gefährliches Spiel. Es sei daher nicht sinnvoll, Gespräche über eine Friedensregelung für den abtrünnigen Osten des Landes zu führen.

Der Krim-Gouverneur Sergej Axjonow sagte, jegliche Versuche, die Halbinsel während der Feriensaison zu destabilisieren, würden entschlossen unterbunden. Die Sicherheit der Bewohner und Gäste auf der Krim sei "vollkommen gewährleistet".

Die Ukraine dementiert

Die Ukraine wies die Anschuldigungen zurück. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrats, Alexander Turtschinow, sprach von hysterischen und falschen Anschuldigungen und warf Russland vor, auf der Krim Angst verbreiten zu wollen. Das Verteidigungsministerium nannte die Vorwürfe einen Versuch, die "Stationierung und aggressiven Handlungen" der russischen Truppen in der Region zu rechtfertigen. Ein Berater des Chefs des ukrainischen Geheimdienstes SBU, Juri Tandit, sagte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine, die Ukraine habe nicht die Absicht, das Gebiet mit Gewalt zurückzuerobern. Der ukrainische Generalstab sprach von einer Provokation Russlands.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die die Frontlinie zwischen der Ukraine und der Krim beobachtet, berichtete nicht über den angeblichen Zwischenfall. Sie stellte aber fest, dass der Autoverkehr in dem Gebiet ausgesetzt worden sei und die Grenzschützer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden seien.

Russland hatte die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel nach einem umstrittenen Referendum im Frühjahr 2014 an sein Staatsgebiet angeschlossen. Der Schritt wird international nicht anerkannt. Seit der Annexion blieb es auf der Halbinsel weitgehend friedlich. Im Osten der Ukraine kämpfen allerdings weiterhin ukrainische Regierungssoldaten gegen prorussische Rebellen. In dem Konflikt wurden rund 9.500 Menschen getötet.