Russlands Präsident Wladimir Putin hat überraschend seinen Vertrauten Sergej Iwanow vom einflussreichen Posten des Präsidialamtschefs entlassen. Der 63-Jährige sei künftig als Sonderbeauftragter für Naturschutz und Transport zuständig, teilte der Kreml mit. Im Vergleich zu seinem bisherigen Posten kann Iwanow diese neue Aufgabe als deutliche Herabstufung, wenn nicht gar Ende seiner Karriere verstanden wissen.

Die offizielle Begründung des Präsidenten klingt indes anders: Das Staatsfernsehen zeigte am Morgen ein Treffen der beiden, bei dem Putin sagte, Iwanow verlasse seinen Posten auf eigenen Wunsch und gebe auch sein Amt im russischen Sicherheitsrat ab. Iwanow habe ihm gegenüber vor einigen Jahren den Wunsch geäußert, nicht länger als vier Jahre Präsidialamtschef sein zu wollen. "Ich verstehe deinen Wunsch, einer anderen Arbeit nachzugehen", sagte Putin.

Zum Nachfolger ernannte Putin Iwanows bisherigen Stellvertreter Anton Waino. Iwanow habe ihn selbst empfohlen, sagte Putin. Verglichen mit Iwanow bringt der im estnischen Tallinn geborene Waino weniger politische Erfahrung mit. Der 44-jährige Diplomat arbeitete unter anderem in der russischen Botschaft in Tokio und gehörte zur Asienabteilung im Außenministerium. Unter Putin machte er seit 2002 Karriere in den Protokollabteilungen von Kreml und Regierung. 

Iwanow bekleidete das Amt seit Ende 2011 und galt jahrelang als enger Vertrauter des Präsidenten. Die beiden kennen sich seit ihren Tagen beim sowjetischen Geheimdienst KGB und später beim russischen Inlandsgeheimdienst FSB.

Der Leiter der Präsidialverwaltung gilt in Russland als zweitmächtigster Mann hinter dem Präsidenten. Als Putin 2008 zunächst nicht wieder Präsident werden durfte, galt Iwanow als möglicher Nachfolger an der Staatsspitze. Putin entschied sich jedoch für Dmitri Medwedew, der heute Ministerpräsident ist.

Putin besetzt ranghohe Posten neu

In den vergangenen Wochen hatte Putin mehrere ranghohe Posten im Staatsapparat neu besetzt. Meist rückten jüngere Vertreter der russischen Geheimdienste nach. Iwanow gehörte aber zum engsten Kreis um den Präsidenten. Ähnlich spektakulär war zuletzt die Entlassung des Eisenbahnchefs Wladimir Jakunin im August 2015 gewesen. 

Auch Iwanow scheint verstanden zu haben, dass er unter Putin nichts mehr zu sagen hat. Er dankte dem Präsidenten für dessen "Bewertung meiner Arbeit in den vergangenen 17 Jahren".