Die ägyptische Regierung will eine Verschärfung der Strafen für weibliche Genitalverstümmelung veranlassen. Die Regierung in Kairo kündigte einen Gesetzesentwurf zur Abstimmung im Parlament an, nach dem auf die Beschneidung von Mädchen und Frauen eine Haftstrafe zwischen fünf und sieben Jahren stehen soll. Bislang beträgt das Strafmaß zwischen drei Monaten und zwei Jahren Gefängnis.

Die weibliche Genitalverstümmelung ist in Ägypten zwar seit 2008 verboten, wird aber weiterhin von vielen Muslimen und Christen praktiziert, vor allem in ländlichen Gegenden. Laut dem Gesetzentwurf soll zusätzlich zur Gefängnisstrafe harte Arbeit auferlegt werden können, wenn die Beschnittene durch den Eingriff stirbt oder eine dauerhafte körperliche Behinderung davonträgt. Wer eine Frau zur Beschneidung zwingt, muss künftig mit einem bis drei Jahren Haft rechnen.

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden die äußeren Sexualorgane teilweise oder ganz abgeschnitten. Lebenslange Schmerzen, vor allem beim Geschlechtsverkehr und bei der Geburt eines Kindes, aber auch beim Urinieren, sind häufige Folgen. Außerdem leiden viele Frauen nach dem Eingriff unter psychischen Problemen.

Das Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung war in Ägypten noch unter Staatschef Husni Mubarak erlassen worden, der 2011 gestürzt wurde. Aktivisten beklagen, dass die Bemühungen für die Beendigung der Praxis mit Mubaraks Sturz einen Rückschlag erlitten haben. Viele Islamisten sahen in dem Gesetz einen Ausdruck von Mubaraks autoritärer Herrschaft und forderten, es nicht durchzusetzen.

Im Mai starb eine Jugendliche in Ägypten an den Folgen ihrer Beschneidung. Ihre Mutter, der Arzt, der die Beschneidung vornahm, und zwei andere Beschuldigte wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt und müssen sich vor Gericht verantworten.