Die umkämpfte Stadt Aleppo sei in dem seit fünf Jahren andauernden Krieg in Syrien zum "Gipfel des Horrors" in "der größten Krise unserer Zeit" geworden, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. Die Konfliktparteien müssten dringend eine 48-stündige Feuerpause einlegen, damit die Zivilisten versorgt werden könnten. Allein am Montag habe es ein Dutzend neuer Angriffe gegeben.

Laut O'Brien gibt es im Osten der Stadt seit mehr als einem Monat kaum noch Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Strom. Der Stadtteil mit seinen rund 275.000 Bewohnern wird von der syrischen Opposition kontrolliert. Jedoch bleibe auch der Zugang zu den schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen im von der syrischen Regierung dominierten Westteil der Stadt "extrem schwierig".

Die UN hätten im August darum gebeten, knapp eine Million Syrer in belagerten und schwer zugänglichen Gegenden Aleppos versorgen zu dürfen. Doch die Führung von Präsident Baschar al-Assad habe weniger als 50 Prozent der Anfragen gebilligt. Bisher sei wegen der Kämpfe, der Unsicherheit und aufgrund bürokratischer Hürden noch kein einziger Konvoi bewegt worden, sagte O'Brien.

"Mittelalterliche Belagerungen ganzer Städte"

Eindringlich appellierte der Nothilfekoordinator an den Sicherheitsrat, der in der Syrienfrage uneins ist. "Sie haben die Macht, mit einem Stift – einem simplen Federstrich – Lebensmittel zu Menschen durchzulassen", mahnte O'Brien.

Russland, das an der Seite der Assad-Regierung kämpft und im Sicherheitsrat Vetorecht genießt, hatte vergangene Woche seine Bereitschaft zur Unterstützung einer Waffenruhe von 48 Stunden pro Woche für Aleppo erklärt. Unter der Bedingung, dass in dieser Zeit Hilfskonvois sowohl in die Rebellengebiete als auch in Stadtteile unter Kontrolle der Regierung fahren könnten.

O'Brien begrüßte die Ankündigung Russlands, sagte aber: "Wir brauchen die Zustimmung aller Parteien, dass wir unseren Job machen können." Er arbeite mit allen Seiten auf das Ziel hin, die russische Offerte in eine umfassende Feuerpause münden zu lassen. Immerhin hätten die Vereinten Nationen eine neue Route in den Westen Aleppos gefunden und einige Hilfsgüter dorthin liefern können. Zudem würden 20 Lastwagen für den Osten vorbereitet. Sie sollten losfahren, sobald die Feuerpause in Kraft sei, sagte O'Brien.

Der UN-Funktionär verlangte zudem neue Anstrengungen, um den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. "Wenn Attacken auf Krankenhäuser zur neuen Normalität und mittelalterliche Belagerungen ganzer Städte und Ortschaften zur bleibenden Realität für Hunderttausende Menschen geworden sind, kann der Sicherheitsrat nicht wegsehen."