Die meisten Geiseln, die der "Islamische Staat" beim Abzug aus der syrischen Stadt Manbidsch genommen hatte, sind wieder frei. "Die Zivilisten sind an den Rändern der Stadt und in der Nähe von Dscharabulus freigelassen worden, nachdem die IS-Kämpfer ihre Rückzugsorte erreicht hatten", teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. Die Dschihadisten hatten am Freitag nach Angaben eines kurdischen Militärsprechers rund 2.000 Bewohner als menschliche Schutzschilde mitgenommen, als sie die heftig umkämpfte Stadt im Norden Syriens aufgaben.

Mehr als zwei Monate hatten die von Kurden geführten und von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens (DFS) versucht, Manbidsch einzunehmen. Laut Angaben der prokurdischen Nachrichtenagentur Firat waren die Luftangriffe der USA mitunter entscheidend für die Eroberung der Stadt. Derzeit werde in dem Gebiet nach Minen gesucht.

Manbidsch war 2014 vom IS eingenommen worden und gilt als strategisch wichtig für die Versorgung des von der Terrormiliz zur Hauptstadt erklärten Rakkas. Vor der letzten Offensive war mehr als 2.500 Zivilisten die Flucht aus dem letzten vom IS kontrollierten Viertel im Norden der Stadt gelungen. Es habe sich vor allem um Frauen und Kinder gehandelt, hieß es aus Kreisen der DFS. 

Neue Kämpfe in Aleppo

In der syrischen Stadt Aleppo halten die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten unverändert an. Menschenrechtsbeobachter berichteten von zahlreichen Luftangriffen und von Artilleriebeschuss. In der Folge habe ein Kinderkrankenhaus in der Nähe von Aleppo die Arbeit einstellen müssen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich für eine Luftbrücke in der Stadt ausgesprochen. Die Bundesregierung sei mit den Vereinten Nationen, den USA und mit Russland darüber im Gespräch, "wie die so dringlich gebotene humanitäre Hilfe unter Aufsicht der Vereinten Nationen nach Aleppo geliefert werden kann", sagte Steinmeier der Welt am Sonntag.

Die internationale Hilfsorganisation Save the Children warnte vor einem Anstieg von Angriffen auf Schulen im Nordwesten Syriens. Die Kämpfe in den Regionen von Aleppo und Idlib verschärften sich weiter, dabei gerieten auch immer mehr Schulen unter Beschuss, teilte die Organisation mit. Die Kinder seien völlig verängstigt, ihre Eltern wollten sie nicht mehr zum Unterricht schicken, weil Drohnen, Helikopter und Kampfflugzeuge über den Gebieten kreisten. "Selbst in einem solchen Konflikt muss das Recht der Kinder gewahrt bleiben, zu lernen und zu spielen", sagte Geschäftsführerin Helle Thorning-Schmidt.