Die Ankündigung kam überraschend: Die USA und Russland wollen im Syrien-Konflikt zusammenarbeiten, um die Kämpfe zu beenden. Noch wenige Tage zuvor hatte Russland den USA vorgehalten, nicht entschlossen genug gegen die islamistische Nusra-Front vorzugehen. Russland unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, die USA hingegen verschiedene Rebellengruppen. Bereits im Februar hatten die beiden Mächte eine Waffenruhe vermittelt, die allerdings von Anfang an brüchig war.

Die USA und Russland hätten "Klarheit über den Weg" zu einem Ende der Kämpfe gewonnen, sagte US-Außenminister John Kerry am Freitag nach Gesprächen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Genf. Allerdings müssten bis dahin noch etliche Details geklärt werden; dazu wollen sich Experten beider Länder in den kommenden Tagen treffen. In diplomatischen Kreisen hieß es, trotz der langen Gespräche sei "lediglich ein kleiner gemeinsamer Nenner bestätigt worden".

Trotz aller Appelle von Hilfsorganisationen konnte John Kerry seinen Amtskollegen nicht dazu bewegen, die Luftangriffe auf Zivilisten und Rebellen in der umkämpften Stadt Aleppo zu beenden. "Wir reden nicht davon, dass jemand nicht mehr fliegt", sagte Lawrow dazu nur. "Wir reden darüber, dass die Luftwaffe, die am syrischen Himmel aktiv ist, effektiv die IS-Miliz und Al-Nusra bekämpft."

Vorgehen gegen Al-Nusra ist ein Streitpunkt

Zudem müssten Mitglieder der islamistischen Nusra-Front von Kämpfern getrennt werden, die von den USA unterstützt werden, sagte Lawrow. Dazu habe Russland von den USA erstmals eine Liste derjenigen syrischen Gruppen erhalten, die sich einer Waffenruhe anschließen wollten. "Ohne eine Abgrenzung zwischen normalen, gesunden Oppositionskräften und Terroristen sehe ich keine Möglichkeit, eine wirklich dauerhafte und vollgültige Einstellung der Kampfhandlungen zu erreichen", fügte er hinzu.

Trotz strittiger Themen wie dem Umgang mit der Nusra-Front seien nun die meisten technischen Debatten geklärt, versicherten beide Politiker. Sie seien sich über Schritte zu einer Waffenruhe und zur Verbesserung von Hilfslieferungen für notleidende Menschen in Syrien einig.

Wieder mehr Vertrauen zueinander

Kerry und Lawrow hatten sich zuvor zwölf Stunden lang in Genf über den Syrien-Konflikt ausgetauscht. Zwischendurch hatte auch der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura an dem Treffen teilgenommen. Dieser hatte die Hoffnung geäußert, die Konfliktparteien im syrischen Bürgerkrieg in naher Zukunft wieder zu Verhandlungen an einen Tisch zu bringen.

Russland und die USA hätten nun wieder mehr Vertrauen zueinander, betonte Lawrow. Er und Kerry seien dafür, die von den Vereinten Nationen vermittelten Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Rebellen wieder aufzunehmen.