Die Zusammenarbeit Russlands und des Irans gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat zu politischen Spannungen geführt. Der iranische Verteidigungsminister Hossein Dehghan kritisierte, dass Russland die Nutzung iranischer Militärstützpunkte für Angriffe auf den IS und andere Extremistengruppen öffentlich gemacht hat. Das sei "eine Art Angeberei und unfein", wurde er auf der Webseite des iranischen Staatsfernsehens zitiert. "Die Russen wollen damit zeigen, dass sie eine Supermacht sind", fügte Dehghan hinzu. "Das war so nicht abgemacht." Deshalb werde die Zusammenarbeit mit Russland vorläufig beendet.

Russland bestätigte das Ende der militärischen Kooperation auf dem Stützpunkt. Derzeit seien keine Russen mehr dort, sagte der russische Botschafter in Teheran, Lewan Dschagarjan. Iranische Aussagen über Streit um die Verlegung russischer Kampfbomber nach Hamadan spielte der Diplomat herunter. Er sehe keine Hindernisse für Russland, künftig iranische Infrastruktur für Luftangriffe in Syrien zu nutzen.

Die russische Regierung hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass Bomber der Typen Tu-22M3 und Su-34 drei Tage in Folge vom iranischen Luftwaffenstützpunkt Hamadan aus Luftangriffe gegen islamistische Rebellen in Syrien geflogen haben. Der Iran hatte das einen Tag nach der russischen Veröffentlichung bestätigt. Angeblich durfte Russland den Stützpunkt nutzen – sollte aber Stillschweigen über diese Vereinbarung halten.

Dehghans Äußerungen sind die erste öffentliche Kritik eines ranghohen Regierungsmitglieds an der Verlautbarungspolitik des Kreml. Dem Außenminister zufolge wurde der russischen Luftwaffe die Benutzung der Stützpunkte nur für eine "sehr kurze und fixierte Zeitspanne" gestattet. Zudem habe es sich dabei auch nicht um eine klassische Basis gehandelt, sondern lediglich um eine Betankungsanlage für die russischen Kampfflugzeuge. 

"Im Moment" eingestellt

Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran sagte, Russland habe die Nutzung der iranischen Infrastruktur inzwischen beendet. "Russland hat keinen Stützpunkt in Iran und ist hier nicht stationiert", wird der Sprecher von der Nachrichtenagentur Tasnim zitiert. Die russische Luftwaffe habe die Operationen vom Iran aus "im Moment" eingestellt.

Die Kooperation brachte dem russischen Militär einige Vorteile. So wurde die Flugzeit seiner Kampfjets verkürzt, dadurch Treibstoff gespart, und die Maschinen konnten mit mehr Bomben beladen werden. Den iranischen Außenminister brachte die Nutzung des Stützpunkts indes in Erklärungsnot: Kritik kam dabei nämlich nicht nur von den USA, sondern auch von iranischen Parlamentariern. Sie sehen in der Überlassung eines Militärstützpunktes an eine ausländische Macht eine Verletzung der Verfassung, die die Stationierung ausländischer Truppen in dem Land untersagt. Das hatte die Regierung in Teheran offensichtlich in Erklärungsnot gebracht.