ZEIT ONLINE: In Thailand schien nach dem Militärputsch 2014 etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Nun gehen in fünf Provinzen plötzlich Bomben hoch. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Siegfried Herzog: Der jetzigen Militärregierung ist es lediglich gelungen, den Konflikt zwischen Rothemden und Gelbhemden auf Eis zu legen. Wirklich gelöst wurde er nicht. In der Bevölkerung hat sich zudem eine gewisse Konfliktmüdigkeit breit gemacht. Auch deshalb wurde die Machtübernahme durch das Militär erst mal hingenommen. Die Mehrheit will die Versöhnung, auch wenn sie mit dem Kurs der Regierung nicht völlig einverstanden ist. Das hat auch das jüngste Referendum gezeigt.

ZEIT ONLINE: Hatten sich die Rot- und Gelbhemden beim Referendum klar positioniert?

Herzog: Im gelben Lager waren viele für die neue Verfassung, im Roten Lager war es eher umgekehrt. Wirklich klar waren die Fronten aber nicht. Viele haben für die Verfassung gestimmt, weil sie glaubten, dass dadurch irgendwann wieder freie Wahlen möglich werden.

ZEIT ONLINE:  Sehen sie einen Zusammenhang zwischen der Abstimmung und den Anschlägen?

Herzog: Es könnte sein, dass frustrierte Gegner der neuen Verfassung dahinter stehen. Dagegen spricht, dass die Anschlagsziele in Gegenden liegen, in denen die Verfassung mit deutlicher Mehrheit angenommen wurde. Einen Protest gegen das Abstimmungsergebnis würde man eher in den Gegenden erwarten, in denen die Verfassung abgelehnt wurde. Dort ist aber nichts passiert. Andererseits könnte es natürlich um eine Art Rache der Regierungsgegner an den regierungstreuen Gegenden handeln. Dass die Anschläge am Geburtstag der Königin stattfanden, einem landesweiten Feiertag, könnte eine gezielte Provokation darstellen. 

ZEIT ONLINE: Im Süden des Landes kommt es seit mehr als zehn Jahren zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Separatisten. Könnten die hinter den Anschlägen stehen?

Herzog: Es gibt keine Anzeichen, dass die Separatisten etwas mit dem Bomben zu tun haben. Hier hat sich seit der Machtübernahme durch das Militär nur wenig bewegt, was eine solche Eskalation erklären würde. Außerdem handelt es sich um einen regional begrenzten Konflikt. Die Bomben gingen zwar im Süden des Landes hoch, aber nicht in von der Auseinandersetzung betroffenen Provinzen. Auch die Regierung schließt bislang eine Beteiligung der Separatisten aus.