Der tschechische Präsident Miloš Zeman hat das Parlament in Prag aufgerufen, EU-Quoten zu ignorieren und keine Flüchtlinge aufzunehmen. "Mit der Aufnahme von Migranten würden wir den Nährboden für barbarische Angriffe auf dem Gebiet der Tschechischen Republik schaffen", sagte sein Sprecher. Der Mitte-links-Politiker sei "gegen die Aufnahme jeglicher Migranten" und fordere die Abgeordneten und Senatoren auf, sich in dieser Sache zu Wort zu melden.

Die Mitte-links-Regierung bereitet derzeit die Aufnahme von 80 Syrern gemäß dem EU-Türkei-Abkommen vor. Nach Angaben des Innenministeriums müssen sie eine Sicherheitsüberprüfung bestehen, die nicht vor Jahresende abgeschlossen sein werde.

Wie andere osteuropäische Staaten auch, hatte sich Tschechien lange gegen die EU-Pläne zur fairen Verteilung von Flüchtlingen auf alle Mitgliedsstaaten gewehrt. Im September war die Verteilung von 120.000 Flüchtlingen beschlossen worden. Knapp 2.700 Menschen soll das Zehn-Millionen-Einwohner-Land, aus dem zu Zeiten des Kalten Kriegs Tausende Menschen geflohen waren, aufnehmen. Dagegen will die Regierung zwar nicht klagen, wie etwa die Slowakei. Doch mit der Umsetzung hapert es. Nach den Gewalttaten durch Flüchtlinge in Deutschland hatte Zeman die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel als unsinnig bezeichnet. Der 71-Jährige hat als Präsident überwiegend repräsentative Aufgaben.