Die Türkei hat versprochen, bei den anstehenden Prozessen gegen mutmaßliche Putschisten den Europarat einzubinden. Experten des Rates würden sich in Kürze mit Vertretern der türkischen Behörden treffen, um zu diskutieren, wie die Rechte der Angeklagten gewahrt werden könnten, sagte Generalsekretär Thorbjørn Jagland der Zeitung Die Welt. "Dies ist notwendig, damit sichergestellt wird, dass die Prozesse gemäß europäischen Standards verlaufen", sagte Jagland.

Im Streit zwischen der EU und der türkischen Regierung über die angemessene Reaktion auf den gescheiterten Putschversuch forderte Jagland die Europäer zur Mäßigung auf: "Anstatt politische Rhetorik zu verwenden, sollten wir in Europa uns auf die Lösung von Problemen konzentrieren, die derzeit anstehen", sagte er. "Wir sollten mit den Türken sprechen und nicht über sie und uns dabei auf die europäische Menschenrechtskonvention stützen."

Die Türkei ist seit 1950 Mitglied des Europarates, der Beobachter entsenden kann, die Zugang zu Gefängnissen und Dokumenten über Häftlinge bekommen müssen. Das Antifolterkomitee des Europarats hatte nach früheren Besuchen wiederholt folterähnliche Gewalt in der Türkei angeprangert. In seinem jüngsten Bericht kritisierte es Polizeigewalt gegen Demonstranten bei Festnahmen während der Gezi-Park-Proteste 2013.