Der designierte tunesische Ministerpräsident Youssef Chahed will auch Mitglieder der Vorgängerregierung in sein Kabinett aufnehmen. Sieben Minister behielten ihre Ämter, darunter die für Verteidigung, Inneres und Auswärtige Angelegenheiten, sagte Chahed. Zur Begründung nannte er jüngste Erfolge im Sicherheitsbereich und im Kampf gegen den Terrorismus.

Sein Regierungsteam umfasst 26 Minister und 14 Juniorminister. Unter ihnen sind acht Frauen, drei mehr als zuvor. Fünf Mitglieder der Regierung sind unter 35 Jahre alt. Der 41-jährige Chahed muss noch vom Parlament bestätigt werden, damit wird in den kommenden Tagen gerechnet. Bei seiner Nominierung durch Präsident Béji Caïd Essebsi hatte Chahed erklärt, zu seinen Prioritäten zählten die Bekämpfung von Terror und Korruption sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Zuvor hatte der ehemalige tunesische Ministerpräsident Habib Essid ein Misstrauensvotum im Parlament verloren. Essid hatte die Vertrauensfrage gestellt, nachdem er mehrfach von Präsident Essebsi aufgefordert worden war, zurückzutreten und Platz für eine Regierung der Nationalen Einheit zu machen. Er war gut 18 Monate im Amt.

Tunesien ist das einzige Land, dem nach den Aufständen des Arabischen Frühlings 2011 ein erfolgreicher Übergang zur parlamentarischen Demokratie gelungen ist. Allerdings leidet das Land unter Inflation, hoher Arbeitslosigkeit und einem Rückgang des Tourismus. Im vergangenen Jahr wurde es von zwei schweren Terroranschlägen getroffen, bei denen insgesamt rund 60 Menschen getötet wurden.