Das Zirpen der Insekten und das Rollen von Koffern über den Asphalt: So klingt der Grenzübergang Armjansk, hier, im Niemandsland der Landenge von Perekop, zwischen dem ukrainischen Festland und der Halbinsel Krim. Die Reisenden ziehen ihre Trolleys über den glühenden Asphalt der verlassenen Landstraße. Der Himmel liegt wie ein blaues Tuch über der Steppe, die sich ins Endlose zieht.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass hier die Nachkriegsordnung in Europa infrage gestellt und die Grenze verschoben wurden. Zumindest aus russischer Sicht gilt seither für die Ankommenden vom ukrainischen Festland: "Willkommen auf der Krim", unterlegt ist der Spruch auf dem Schild mit dem russischen Adler. Für Russland ist es eine Staatsgrenze, seit Moskau die Halbinsel im März 2014 annektiert hat. 600 Meter Richtung Norden beginnt der ukrainische Checkpoint. Ein blaugelber Container, eine halb zerrissene Ukrainefahne weht im Wind.

Was bis zuletzt ein verschlafener Posten war, ist dieser Tage zu einem Brennpunkt im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland geworden. Vor einer Woche soll es hier zu Zusammenstößen und sogar Toten gekommen sein, meldet der russische Geheimdienst FSB. So sollen auf der Krim Terroranschläge des ukrainischen Militärs vereitelt worden sein. Die Moskauer Regierung wirft der ukrainischen Armee vor, russische Positionen beschossen zu haben. Der Generalstab der Ukraine hat das als "Provokation" zurückgewiesen und spricht von Scharmützeln unter russischen Einheiten.

Russische Militärpräsenz auf der Krim verstärkt

Was wirklich vorgefallen ist, lässt sich derzeit kaum sagen. Fakt ist, dass sich die Lage zugespitzt hat: Der russische Präsident Wladimir Putin hat verkündet, die Militärpräsenz "zu Wasser, zu Lande und in der Luft" zu verstärken. Am Wochenende soll das Flugabwehrsystem S-400 auf die Krim gebracht worden sein. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat inzwischen die ukrainischen Truppen nahe der Krim und im Donbass in Gefechtsbereitschaft versetzt – wenngleich der Krieg in der Ostukraine ohnehin nie aufgehört hat. Zuletzt hatte die ukrainische Armee im Donbass wieder die höchste Zahl an Todesopfern seit einem Jahr zu beklagen.

Dass die Krise ausgerechnet in die Zeit der Olympischen Spiele von Rio fällt, ruft Erinnerungen wach. 2008 brach der russisch-georgische Krieg los, als die Olympischen Spiele in Peking stattfanden. 2014 wurden bei den Winterspielen in Sotschi die Athleten beklatscht, während Russland mit seinen berühmten "grünen Männchen" in einer Militäraktion die Krim annektierte.

Die Faktenlage ist dürr, die Nervosität in Kiew umso größer. Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin sitzt im Empfangsraum seines Ministeriums. In der Behörde herrscht Unruhe, das Interview mit Klimkin wurde mehrmals verschoben. Vergangene Woche, als der russische Präsident die Ukraine einen "Terrorstaat" nannte und Vergeltungsmaßnahmen ankündigte, wurden die Lichter im Ministerium erst spät in der Nacht gelöscht.