Neue Spannungen zwischen Russland und der Ukraine: Der russische Präsident Wladimir Putin wirft der Regierung in Kiew Anschlagspläne auf der annektierten Halbinsel Krim vor, der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko versetzt währenddessen seine Truppen in erhöhte Gefechtsbereitschaft.

In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats äußerten russische und ukrainische Botschafter ihre Sorge vor einer Eskalation der Lage. Die Ukraine verlangte von Russland Beweise für die angeblichen Terrorpläne auf der Krim. Der ukrainische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wolodymyr Jeltschenko, sagte: "Wenn es wirklich passiert ist, wo sind die Beweise? Erklärungen, Bilder, Fotos, Videos, was auch immer?", sagte Jeltschenko.

Jeltschenko äußerte außerdem Besorgnis über rund russische 40.000 Soldaten, die in der Nähe der Grenze zusammengezogen worden seien. "Diese Zahlen könnten auf einige sehr schlechte Absichten hindeuten", sagte er. Die Ukraine hatte am Donnerstag ihre Truppen in Alarmbereitschaft versetzt.

Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin wiederholte hingegegen den Vorwurf, die Ukraine habe auf der Krim einen "eindeutigen Sabotage- und Terrorakt" begangen. Die Angriffe zeigten, "dass in Kiew Chaos herrscht". Zuvor hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB erklärt, Anschläge des ukrainischen Militärgeheimdienstes auf der Krim vereitelt zu haben. Im russischen Fernsehen wurden als Beweis Bilder von Rucksäcken mit Sprengstoffpaketen gesendet. Auch ein Foto des angeblichen Anführers des Sabotage-Kommandos wurde gezeigt.

US-Regierung: Situation ist angespannt und gefährlich

Die Botschafter beider Länder äußerten die Hoffnung, dass die Spannungen nicht weiter eskalieren. Die Dringlichkeitssitzung war auf Ersuchen der Ukraine angesetzt worden, die derzeit einen Sitz als nicht-ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat innehat.

Die US-Regierung äußerte sich besorgt und forderte beide Konfliktparteien auf, jede weitere Eskalation zu vermeiden. Außerdem wiederholte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Elizabeth Trudeau, die Position der USA: Die Krim sei Teil der Ukraine und als solche von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Beide Seiten müssten nun von jeglichen Aktionen und Worten absehen, die die Lage auf der Krim eskalieren lassen könnten. Die Situation sei sehr angespannt und gefährlich.

Russland hatte die Krim nach dem Sturz der moskaufreundlichen Regierung in Kiew in einem hastig anberaumten Referendum 2014 annektiert. In der Ostukraine griffen prorussische Kämpfer daraufhin zu den Waffen, um einen Anschluss an Russland zu erreichen. Die ukrainischen Streitkräfte stellten sich mit militärischer Gewalt dagegen. Mehr als 9.500 Menschen kamen seitdem ums Leben. Ein im vergangenen Jahr vereinbarter Waffenstillstand für die Ostukraine wurde immer wieder gebrochen.