Lösungen für Erste-Welt-Probleme

Selbst im Silicon Valley findet sich Innovation vorwiegend in Bereichen, die schnelle Gewinne versprechen. Fast 40 Prozent des Kapitals von Wagniskapitalfonds fließt in Software. Mit ein paar findigen Programmierern lässt sich in einer überschaubaren Zeit eine App austüfteln, die Mahlzeiten per Smartphone liefert oder dreckige Socken zur Wäsche abholt. Weit schwieriger sind Durchbrüche bei alternativen Energiequellen. Es ist kaum verwunderlich, dass Investoren, die Resultate sehen wollen und möglichst noch zu ihren Lebzeiten, lieber Innovationen fördern, die weniger riskant und kapitalintensiv sind. Was Amerika fehlt, sind Ideen, die das Land nicht nur reparieren, sondern transformieren.

Eine Nation zum Zerreißen gespannt

Der Erfolg von Trump, der die Wut und Frustration einer großen Gruppe der Bevölkerung anspricht, hat viele Amerikaner überrascht. Vor allem aber hat es die Küstenbewohner verblüfft. Es ist besonders die Mitte des Landes, die unter den Folgen der Deindustrialisierung leidet. Verödete Kleinstädte, verfallene Fabrikhallen. Eine Stelle als Sicherheitskraft zum Mindestlohn statt im Autowerk, ein Job bei McDonald´s statt in der Textilfabrik. Amerikas Herzland, das heartland – vorwiegend weiß – erlebt die Zerstörung von Familien durch Drogen, Depression und Suizid. 

Doch statt Mitgefühl ernten die Betroffenen Spott und Verachtung. Sie hingen an ihren Waffen und Religion, bemerkte Präsident Obama in einem unbedachten Moment. Eine erstaunliche Haltung für einen Vertreter einer Partei, die sich dem sozialen Fortschritt verschrieben hat. Doch die Kritiker auf der konservativen Seite sind nicht weniger verächtlich. "Die Wahrheit über diese dysfunktionalen, absteigenden Gemeinden ist, dass sie es verdienen zu sterben. Ökonomisch gesehen sind sie eine Belastung. Moralisch sind sie nicht zu rechtfertigen. Vergiss den Bruce Springsteen Quatsch und die Verschwörungstheorien über die Asiaten, die unsere Jobs klauen", schrieb kürzlich der konservative Polemiker Kevin Williamson in der National Review. Trump sei für sie wie eine Droge. 

Verzweiflung im Heartland

Es gilt als legitim, Menschen in mobilen Fertighäusern als White Trash, Müll zu bezeichnen. Wahr ist, dass die Rezession die Minderheiten, die Schwarzen und Latinos, deutlich mehr getroffen hat. Schwarze Familien bräuchten nach einer neuen Analyse 288 Jahre, um zum Wohlstandniveau von durchschnittlichen weißen Haushalten aufzuschließen. Das macht die Verzweiflung im Heartland nicht weniger real. Und es ist durchaus zutreffend, wenn die Menschen dort den Eindruck haben, man habe sie ihrem Schicksal überlassen. 1980 lag das durchschnittliche Pro-Kopf Einkommen in Washington 29 Prozent über dem Durchschnittseinkommen. 2013 lag der Abstand bei 68 Prozent, berichtete das Polit-Journal Washington Monthly.

Nicht immer hat Washington die Mitte ignoriert. Nach der Großen Depression gab es eine Reihe von Entwicklungshilfeprojekten für ländliche Gebiete, darunter auch die Tennessee Valley Authority, die nicht nur Dämme und Stromnetze baute, sondern ganzen Städten einen Schub gab. Amerika kann nur stark sein, wenn es gelingt, die Schwachen mitzunehmen. Und ein starkes Amerika ist wichtig für ein starkes Europa.