Die Organisationen Pro Asyl und Amnesty International haben die Europäische Union (EU) für ihre Flüchtlingspolitik kritisiert. Beide Organisationen warnten die EU vor Flüchtlingsdeals mit Ägypten oder dem Sudan. "Die EU-Kommission versucht, ihre Verantwortung für Flüchtlinge immer weiter vor die Grenzen Europas auszulagern", sagte Wiebke Judith, Expertin für Asylpolitik bei Amnesty International in Deutschland.

Die Menschenrechtsorganisationen meldeten sich anlässlich des Flüchtlingstages in Deutschland am 30. September zu Wort. Amnesty International kritisiert, dass die EU auch Abkommen mit Länder schließt, die selbst Menschen unterdrücken. Die EU schrecke "auch nicht davor zurück, mit Regierungen zu kooperieren, die selbst massive Menschenrechtsverletzungen begehen und damit Menschen zur Flucht zwingen", sagte Judith. Auch von Pro Asyl gab es Kritik an der Vorgehensweise der EU. Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt sagte, es sei "scheinheilig, wenn EU-Politiker Menschenrechte in Europa beschwören und gleichzeitig den Ausverkauf der Menschenrechte in Europa vorantreiben".  

Ein EU-Gipfel zur Flüchtlingskrise legte als eine Maßnahme zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen in Europa fest, dass "wirksame Anreize" für ausgewählte afrikanische Staaten gesetzt werden sollen. Damit soll gewährleistet werden, dass die Länder Flüchtlinge an der Ausreise in die EU hindern.

Zu diesen Staaten zählen auch Ägypten und der Sudan. Amnesty International verweist auf einen eigenen Bericht, nachdem die sudanesische Regierung in diesem Jahr 30 Mal Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt habe. Die gleichen Sicherheitskräfte, die für die Flucht von 3,7 Millionen Sudanesen verantwortlich sind, sollen nun verhindern, dass Flüchtlinge über den Sudan das Mittelmeer erreichen", sagte Wiebke Judith.

Ägypten wiederum erlebe derzeit eine der schwersten Menschenrechtskrisen in der Geschichte des Landes und auch Flüchtlinge würden Opfer von Menschenrechtsverletzungen. "Allein im vergangenen Jahr haben ägyptische Sicherheitskräfte mindestens 20 Sudanesen und ein achtjähriges syrisches Mädchen an der Grenze erschossen", sagte Judith. Auch den für die deutsche Regierung wichtigen Deal mit der Türkei kritisieren die Organisationen als "menschenverachtend." Diesen "zum Prinzip einer allgemeinen europäischen Flüchtlingspolitik zu machen, ist ein weiterer desaströser Tabubruch", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Burkhardt.

Kritisch sehen die Organisationen zudem, dass viele Flüchtlinge in Deutschland nicht mehr den vollen Flüchtlingsschutz bekommen, was die Familienzusammenführung erschwert. Mittlerweile bekämen etwa 70 Prozent der syrischen und 30 Prozent der eritreischen Flüchtlinge nur den sogenannten subsidiären Schutz. "Es war der erklärte Wille der Bundesregierung, einen Nachzug von Familienangehörigen zu verhindern", sagte Burkhardt. "Es ist also wohl kaum Zufall, dass die Anerkennungsquoten in Deutschland sinken, obwohl die Menschenrechtssituation in Syrien oder Eritrea unverändert kritisch ist."