Sudans Regierung setzt einem Bericht von Amnesty International (AI) zufolge Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung ein. In der Krisenregion Darfur sind demnach seit Jahresbeginn 200 bis 250 Menschen dadurch getötet worden. Die meisten Opfer seien Kinder. Sudans UN-Botschafter Omer Dahab Fadl Mohammed wies die Vorwürfe zurück.

Für den Bericht wertete AI Bilder, Videos und Interviews aus. Das Material zeige schreiende, mit Brandblasen übersäte Kinder, die Blut spuckten und um Atem rangen, nachdem sie chemischen Giften ausgesetzt gewesen seien, sagte die zuständige Amnesty-Vertreterin Tirana Hassan. Das Ausmaß der Angriffe sei schwer in Worte zu fassen. Die Beweise zeigten "ein Regime, das mit voller Absicht Angriffe gegen die Bevölkerung in Darfur ohne jegliche Angst vor internationaler Bestrafung ausübt".

Dem Bericht zufolge leiden viele Überlebende infolge der Gasangriffe unter Blindheit, Hautausschlägen und blutigen Atemwegsverätzungen. Allerdings haben die meisten Betroffenen keinen Zugang zur medizinischen Grundversorgung. Erste Hilfe bestehe aus einer Tinktur aus Salz, Zitrone und Kräutern, heißt es in dem Bericht. Zudem werden Experten zitiert, denen zufolge die Beweise nahelegen, dass die Angriffe mit Hautkampfstoffen wie Senfgas durchgeführt worden sind.

In Darfur im Westen des ostafrikanischen Landes herrscht seit 13 Jahren Bürgerkrieg. Die Rebellen der Sudanischen Befreiungsarmee (SLA) werfen der Regierung vor, die nicht arabische Bevölkerung zu unterdrücken. Anfang 2016 startete die Regierung eine neue, groß angelegte Offensive gegen die SLA in der Bergregion Jebel Marra. 

Haftbefehl gegen Sudans Präsidenten

AI-Sprecherin Hassan forderte Sudans Regierung auf, UN-Friedenstruppen Zugang zur Jebel-Marra-Region zu gewähren. Sie appellierte zudem an den Weltsicherheitsrat, das bestehende Waffenembargo zu überprüfen, den Einsatz von Chemiewaffen zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Angriffe mit Chemiewaffen seien ein Kriegsverbrechen, sagte Hassan.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag wirft dem sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und hat bereits einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Viele arabische und afrikanische Staaten erkennen das Gericht und das Urteil in Den Haag allerdings nicht an.

Im Konflikt im Sudan sind nach UN-Angaben 300.000 Menschen getötet worden, etwa 2,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Zudem haben mehr als 80.000 Menschen in der Region allein seit 2016 ihr Zuhause verloren.