Fethullah Gülen - "Ich habe den politischen Islam immer abgelehnt" Der türkische Präsident Erdoğan macht Fethullah Gülen für den Putschversuch im Juli verantwortlich. Der umstrittene Prediger äußerte sich dazu gegenüber der ZEIT im Exil. © Foto: Mark Abramson

Der islamische Prediger Fethullah Gülen bestreitet, seine Anhänger aufgefordert zu haben, den türkischen Staat zu unterwandern. "Wer andere Menschen Terroristen nennt, obwohl sie Frieden predigen, ist selbst ein Terrorist", sagte Gülen in der ZEIT mit Blick auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dieser macht die Gülen-Bewegung für den gescheiterten Putschversuch in seinem Land verantwortlich. Gülen sagte, er fühle sich schikaniert. "In der Türkei war ich ein staatlich lizensierter Prediger. Aus meinen Predigten entstanden über 70 Bücher, in denen Sie nachlesen können: Ich verurteile jeglichen Terror." 

Gülen widersprach auch der Beschuldigung, ein Islamist zu sein: "Ich habe den politischen Islam immer abgelehnt. Wer Politik und Religion vermischt, schadet beidem – aber der Religion besonders."

Gülen sagte über sein Exil in den USA: "Ich (...) vermisse die Türkei jeden Tag." In Pennsylvania habe er zwar Frieden gefunden. "Doch das Heimweh bleibt." Auf die Frage, was er bereue, sagte der Prediger, er habe früher "zu pauschal den Westen verurteilt". Heute sehe er das anders. Persönliche Begegnungen mit Christen und Juden hätten ihn "gelehrt, mein Denken zu korrigieren. In jeder Religion gibt es Menschen, die ein schlechtes Beispiel abgeben, und andere, die ein gutes Beispiel sind. Es kommt nicht darauf an, ob einer Muslim ist, sondern darauf, wie er handelt."

Zahl der Asylanträge von Gülen-Anhängern wächst

In Deutschland sind bereits einige Hundert Asylanträge von Anhängern der Gülen-Bewegung eingegangen, wie der Leiter der Stiftung Dialog und Bildung in Berlin, Ercan Karakoyun, der ZEIT bestätigte. Er vertritt die Bewegung in Deutschland.

Gleichzeitig verzeichnen Schulen, die zum Netzwerk des islamischen Predigers in Deutschland gehören, vermehrt Abmeldungen von Schülern. In der Bil-Schule in Stuttgart beispielsweise haben zum neuen Schuljahr 65 Eltern ihre Kinder von der Schule genommen. Viele Eltern würden von Nachbarn oder Verwandten unter Druck gesetzt, hieß es. Die Anhänger des Predigers werden seit dem Putschversuch innerhalb und außerhalb der Türkei verfolgt. In Deutschland kursieren unter anderen Boykottlisten mit Namen von Ärzten, Restaurantbesitzern und Geschäftsleuten, die angeblich mit der Gülen-Bewegung sympathisieren.