"Wir werden in Kürze damit beginnen, eine große Zahl Migranten auf das Festland zu bringen, um die Inseln in der Ostägäis zu entlasten", sagte der stellvertretende griechische Außenminister Nikos Xydakis der Zeitung Die Welt. "Das wird sehr gut organisiert sein und auf legale Weise durchgeführt werden." Xydakis kündigte an, die Menschen in "bewachten Räumlichkeiten" unterzubringen.

Die Aktion folgt nicht den Bestimmungen des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei. Dieses sieht vor, dass die vor allem aus Syrien stammenden Migranten möglichst auf den Inseln untergebracht werden, um sie an einer eigenständigen Weiterreise zu hindern. Für jeden illegal eingereisten Syrer, den die Türkei zurücknimmt, nimmt die EU einen syrischen Flüchtling auf legalem Weg auf. Über diesen Eins-zu-eins-Mechanismus will die EU bis zu 72.000 syrische Flüchtlinge aufnehmen.

Die Lage auf den griechischen Inseln war immer angespannter geworden, in den Camps war nicht genügend Platz für die Flüchtlinge, es kam zu Unruhen, zuletzt brannte das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos nieder. "Die Brände und Unruhen in einigen Flüchtlingscamps auf den Inseln sind in gewisser Weise auch die Folge einer fehlenden Umverteilung von Flüchtlingen auf alle Mitgliedstaaten und der mangelnden Unterstützung durch die EU-Länder", sagte Xydakis.

"Es könnten im Moment 7.000 Flüchtlinge sofort aus Griechenland auf andere EU-Staaten umverteilt werden, alle Formalitäten dafür sind erfüllt." Das passiere aber nicht. Seit September 2015 seien nur rund 3.500 der vereinbarten 65.000 Flüchtlinge verteilt worden. Zugleich kämen immer neue Flüchtlinge auf den Inseln an. "Die Situation dort kann leicht kippen und eskalieren. Das müssen wir verhindern", sagte Xydakis.

Der Minister betonte zugleich, dass Griechenland aus EU-Ländern wie Deutschland keine Flüchtlinge zurücknehmen werde, so wie es Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gefordert hatte. "Es ist nicht realistisch, auf eine Durchsetzung der Dublin-Verordnung zu bestehen und Flüchtlinge aus anderen Ländern wieder nach Griechenland abzuschieben", sagte Xydakis. Es gebe bereits 60.000 Flüchtlinge in Griechenland. "Das bringt uns an die Grenze der Belastbarkeit. Wenn andere EU-Länder Menschen, die in Griechenland angelandet sind, wieder zu uns schicken, dann hätten wir bald eine oder zwei Millionen Flüchtlinge."

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