Im US-Wahlkampf wächst die Nervosität in der Demokratischen Partei. Zwar hat ihre Kandidatin Hillary Clinton nach allen Regeln der Wahlmathematik immer noch gute Aussichten, die Präsidentschaftswahl am 8. November zu gewinnen. Sie liegt vor dem ersten TV-Duell am heutigen Montag nach wie vor bei den weiblichen Wählern vorn, bei Leuten mit Universitätsabschluss, bei jungen Wählern sowie bei den Afroamerikanern und den Latinos.

Clintons Wahlkampfkasse ist zudem praller gefüllt als jene ihres Kontrahenten Donald Trump. Und auch die demokratische Wahlkampfmaschine ist besser vorbereitet und arbeitet effizienter als die der Republikaner.

Doch mit dem näher rückenden Wahltag schwindet die Zuversicht. Auch der Autor dieser Zeilen ist sich längst nicht mehr sicher, dass Clinton am Ende gewinnen wird. Ihr Vorsprung schrumpft, nicht abrupt, aber Schritt für Schritt. In einigen wichtigen Bundesstaaten wie Florida oder Ohio liegt sie laut Umfragen inzwischen sogar leicht hinter Donald Trump. Auch der Umfrageguru Nate Silver, der Clinton lange Zeit für ziemlich unschlagbar hielt, schreibt inzwischen auf seiner Webseite FiveThirtyEight von einer zunehmend "prekären Lage" für die demokratische Kandidatin.

Wer führt in den Umfragen?

Warum also könnte Hillary Clinton trotz allem verlieren? Die simple Antwort: Wegen Trump – und wegen ihrer eigenen Unzulänglichkeiten.

Wie bereits die Vorwahlen ist auch diese Präsidentschaftswahl keine normale Wahl. Nie zuvor sind zwei derart ungleiche Kandidaten aufeinandergetroffen. Außerdem zwei, die beide gleichermaßen unbeliebt sind. In diesem Duell spielen Stimmungen eine Rolle, die sich nicht mit konventionellen Umfragemethoden messen und analysieren lassen.

Eine Gemeinsamkeit

Zwei Drittel der Amerikaner sind mit der Alternative Trump oder Clinton höchst unzufrieden, sagt das renommierte Meinungsforschungsinstitut Pew. Beide Kandidaten sind im jeweils anderen Lager verhasst und werden selbst in der eigenen Partei nicht sonderlich geschätzt. Die bereits tief polarisierte Gesellschaft spalten Trump und Clinton noch weiter.

Da aber endet auch ihre Gemeinsamkeit. Während Trump mit Ängsten spielt und den Amerikanern pausenlos einhämmert, ihr Land werde von Muslimen und mexikanischen Einwanderern bedroht und sei dem Untergang geweiht, versucht sich Clinton eher in verhaltenem Optimismus.

Zwar meint jeder zweite Amerikaner, sein Land stünde heute weit schlechter da als noch vor 50 Jahren. Doch fächert man diese Zahl auf, zeigt sich die politische Spaltung: 81 Prozent der potenziellen Trump-Wähler sind der Auffassung, mit den Vereinigten Staaten gehe es rasant bergab, aber nur 14 Prozent der potenziellen Clinton-Wähler.