Der Streit um Geschlechtertrennung in der israelischen Armee soll beigelegt werden. Der Stabschef erließ laut einem Bericht der Tageszeitung Haaretz neue Richtlinien für gemischte Armeeeinheiten; sie sollen Soldaten erleichtern, gemischtgeschlechtliche Einsätze aus religiösen Gründen abzulehnen.

Ein Teil der Regelungen räumt beiden Seiten Rechte ein, die die Verletzung von religiösen Gefühlen vermeiden sollen oder dem Schutz von Frauen dienen können. Dazu gehört etwa, Wachdienste oder Reisen im selben Fahrzeug ablehnen zu können. Ferner sollen Soldaten fordern können, dass Trainingseinheiten von Ausbildern gleichen Geschlechts erteilt werden, wenn diese Körperkontakt, freizügige Kleidung oder das Alleinsein mit einer Person anderen Geschlechts beinhalten.

Befreiung können religiöse Soldaten künftig auch von Freizeitaktivitäten erbitten, wenn diese einen Einfluss auf ihren Glauben, ihre Werte oder den religiösen Lebensstil haben. Die Kommandanten sollen diesen Soldaten nach ihrem Ermessen Alternativen bieten. Fitnessräume und Schwimmhallen sollen spezielle geschlechtergetrennte Öffnungszeiten erhalten.

Die Neuregelung hält dem Bericht zufolge auch fest, dass Soldaten grundsätzlich zu allen formellen Gedenkfeiern verpflichtet sind, die von Staatsbeamten oder dem Stabschef besucht werden. In vergangenen Jahren hatte es wiederholt Proteste aus streng religiösen Kreisen gegen die Pflichtteilnahme an Veranstaltungen gegeben, an denen etwa Sängerinnen auftraten.

Die Richtlinien orthodoxer Juden verbieten den Kontakt mit dem anderen Geschlecht, sofern es sich nicht um ein Familienmitglied handelt. So soll Ablenkung von dem Studium der Thora vermieden werden. Bisher gab es Soldaten, die den Dienst in Einheiten verweigerten, die ihnen das Einhalten dieser Regeln nicht ermöglichten. Jetzt hat das Militär seine Regeln präzisiert, um Konflikte innerhalb der Truppe und mit Vorgesetzten zu vermeiden.

Dienen, ohne den Glauben zu verletzen

Ein ranghoher Militärvertreter sagte der Zeitung, die neuen Richtlinien reflektierten den Charakter der israelischen Armee als der Armee eines jüdischen und demokratischen Staates. Sie erlaubten den Soldaten, entsprechend dem Gesetz zu dienen, ohne ihren Glauben zu verletzen. Gleichzeitig gebe es einen Ermessensspielraum für die Kommandanten. Von den Neuregelungen nicht betroffen sind demnach ultraorthodoxe Soldaten, die Dienst in bereits geschlechtergetrennten Einheiten leisten.