Schimon Peres gehörte zur Generation der Gründerväter Israels und war von 2007 bis 2014 Präsident. 1994 erhielt er als einer der Förderer des Osloer Friedensabkommens den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem später ermordeten israelischen Regierungschef Izchak Rabin und dem 2004 verstorbenen Palästinenserführer Jassir Arafat.

Peres sei am frühen Mittwochmorgen im Alter von 93 Jahren gestorben, sagte sein persönlicher Arzt und Schwiegersohn Rafi Walden. "Sein wichtigstes Anliegen war es immer, dem jüdischen Volk zu dienen", sagte sein Sohn Chemi Peres im Scheba-Krankenhaus. Dies habe er bis zu seinem letzten Tag getan.

Peres hatte vor zwei Wochen einen schweren Schlaganfall mit Hirnblutungen erlitten. Seitdem lag er im künstlichen Koma auf der Intensivstation eines Krankenhauses nahe Tel Aviv.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Ehefrau Sara reagierten mit Trauer auf die Nachricht. Peres sei vom ganzen Volk geliebt worden, hieß es in einer Mitteilung von Netanjahus Büro. Die Regierung werde sich zu einer Trauersitzung versammeln.

"Mr. Israel"

Bundespräsident Joachim Gauck lobte die besondere Bereitschaft des ehemaligen israelischen Präsidenten zur Versöhnung: "Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübten, reichte Schimon Peres uns die Hand. Für diese Haltung sind wir ihm von Herzen dankbar", hieß es in dem Kondolenzschreiben an seinen israelischen Amtskollegen Reuven Rivlin. Auch Peres' Rede vor dem Bundestag am 27. Januar 2010, in der er "die Einzigartigkeit der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel betonte", würden die Deutschen nicht vergessen. 

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, würdigte Peres als "Mr. Israel". Er sei ein kluger Staatsmann, ein großer Intellektueller und Stratege, ein bewährter Diplomat und ein Friedensstifter gewesen. Er habe Israel stolz gemacht. Peres habe dazu beigetragen, Israel zu einem freien, sicheren und blühenden Staat zu machen

US-Präsident Barack Obama würdigte den Verstorbenen als "Genie mit einem großen Herzen" und als einen Freund, der seinen Traum vom Frieden niemals aufgegeben habe. "Es gibt wenige Menschen auf der Welt, die den Lauf der menschlichen Geschichte verändern", sagte Obama. "Mein Freund Schimon war einer dieser Menschen." Peres sei in seinen zahlreichen Ämtern stets von der Erkenntnis geleitet worden, dass Menschen guten Willens gemeinsam vorankommen können. Er habe eine Hoffnung vermittelt, die bleiben werde.

Unermüdlicher Einsatz für den Frieden

Peres hatte während seiner 70 Jahre dauernden Karriere alle hohen Ämter des Landes inne. Dreimal amtierte er als Ministerpräsident, er war Außen- und Finanzminister und Staatspräsident. Zudem wurde er als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt.

Peres hatte sich trotz seines hohen Alters bis zuletzt für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt, unter anderem mit dem Peres Center for Peace in Tel Aviv. Auch als Staatspräsident hatte sich der im Ausland beliebte Peres immer wieder politisch geäußert, was für dieses Amt ungewöhnlich ist. Nie gab er die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts auf.

Wegbereiter der deutsch-israelischen Freundschaft

Bundespräsident Joachim Gauck sagte, Peres habe Israel geprägt wie kaum ein anderer Politiker. "Er hat seinem Land in unterschiedlichen Funktionen gedient – mit festen Grundsätzen, wenn es um die Sicherheit Israels ging, und einem starken Willen, den Friedensprozess mit den Palästinensern voranzubringen. Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübten, habe Peres Deutschland die Hand gereicht. Gauck erinnerte an Peres' Rede vor dem Deutschen Bundestag am 27. Januar 2010, "in der er die Einzigartigkeit der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel betonte".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: "Die Welt hat einen großen Staatsmann, Israel einen seiner Gründungsväter und Deutschland einen hochgeschätzten Freund und Partner verloren." Seine Verdienste um Israel ließen sich kaum ermessen. Auch Steinmeier würdigte die "einzigartige Freundschaft zwischen Israel und Deutschland". 1986 habe Peres als erster israelischer Premierminister das damals geteilte Berlin besucht. Er habe "den Grundstein für einen israelisch-palästinensischen Ausgleich und eine friedliche und gemeinsame Zukunft für Israel und seine Nachbarn" gelegt. "Wir trauern um eine mutige und weise Stimme, die steter Ansporn war", sagte Steinmeier.