In den Straßen feierten die Menschen, die Farc lud zu einem Festival, Politiker aus aller Welt gratulierten, Beobachter nennen den Vorgang historisch: Die kolumbianische Regierung hat einen Friedensvertrag mit der Guerilla geschlossen (Originaltext). Nach mehr als 50 Jahren bewaffneten Konflikts mit mehr als 200.000 Toten könnte Frieden einkehren in dem südamerikanischen Land.

Könnte, denn noch gibt es den Frieden nur auf dem Papier. Nach jahrelangen Verhandlungen in Kuba haben die Kontrahenten vergangene Woche in der Küstenstadt Cartagena den Vertrag unterschrieben. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) bezeichnete das Abkommen als ein Vorbild zur Beilegung interner Konflikte, wie es sie auch in vielen anderen Ländern gibt.

Seit 2012 hatten beide Seiten unbeobachtet von der Öffentlichkeit – dafür moderiert von internationalen Vertretern – die Details des Friedensplans auf relativ neutralem Boden in Havanna verhandelt. Viele vorhergehende Versuche waren da bereits gescheitert.

Die Gemengelage war ähnlich kompliziert wie bei anderen Konflikten: Zahlreiche unterschiedliche, auch paramilitärische Gruppen kämpften an verschiedenen Fronten teilweise unterstützt aus dem Ausland. Neben den ideologischen Auseinandersetzungen ging es bald um viel Geld vor allem aus dem Drogenanbau sowie um regionalen Einfluss und schließlich auch um Vergeltung.

Kolumbien in Südamerika

Millionen Binnenvertriebene in Kolumbien

Kaum eine Familie auf dem Land hat in dem Konflikt nicht mindestens einen Angehörigen verloren. Zehntausende verschwanden oder flohen, wurden vergewaltigt, zwangsrekrutiert, gefoltert oder um ihren Besitz gebracht. Heute gelten in Kolumbien Millionen Menschen als Binnenvertriebene. Die UN sprechen von 3,6 Millionen, Hilfsorganisationen von mehr als 6 Millionen – fast ebenso viele wie in Syrien.

Um dem Frieden nahezukommen, mussten beide Seiten Zugeständnisse machen, die längst nicht von allen geteilt werden und an die Grenzen des jeweils Akzeptablen gehen. Viele der wahrscheinlich mehr als 7.000 noch aktiven Guerillakämpfer könnten straffrei bleiben, wenn sie ihre Waffen abgeben. Zwar wird eine Sonderjustiz mit eigenen Gerichten und Ermittlern geschaffen, doch wird diese wohl vor allem die Verantwortlichen auf der höchsten Ebene der Guerilla zur Verantwortung ziehen. Und wer vollumfänglich mit der Justiz kooperiert, muss mit maximal acht Jahren Gefängnis rechnen – vielen Opferangehörigen ist das zu wenig.

Aus gescheiterten Verhandlungen gelernt

Die Farc, die sich ursprünglich ein linkeres Kolumbien wünschte, darf künftig zehn Abgeordnete im Parlament stellen, eine Bodenreform soll Vertriebenen, aber auch ehemaligen Kämpfern einen Neuanfang ermöglichen. Angehörige von Opfern müssen so unter Umständen mitansehen, wie ehemalige Täter zu Wohlstand und Ansehen kommen. Das Schicksal vieler der mehr als 20.000 Verschwundenen wird wiederum vielleicht nie geklärt.

Dass die Farc und die kolumbianische Regierung sich überhaupt einigten, liegt für Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik auch daran, dass sie aus vorhergehenden gescheiterten Verhandlungsrunden gelernt haben. Maihold hebt die besondere Rolle der internationalen Begleiter hervor. Diesmal seien nicht zu viele Akteure beteiligt gewesen, aber alle relevanten. Die Vermittlerstaaten haben nicht nur vermittelt und moderiert, sie überwachen nun auch die Umsetzung und legitimieren so den Friedensschluss.