Es ist sieben Uhr morgens, als zwei Männer am eingezäunten Flüchtlingscamp von Moria auf der griechischen Insel Lesbos entlang laufen. Sie tragen Plastiksandalen, ihre Umrisse sind in den Farben der Morgendämmerung gemalt, während die Sonne über der türkischen Küste etwa 15 Kilometer weiter aufgeht. Im Inneren von Camp Moria, dem unbeliebtesten Hotspot in Griechenland, schlafen die meisten der 4.000 Flüchtlinge noch.

Die beiden Männer, der 41-Jährige Nadeem Isahak und der 22-Jährige Taenveer Shzad, sind Pakistaner – und sie sind besorgt. "Wir haben Griechenland vor drei Monaten in einem Schlauchboot über den Seeweg erreicht", erzählen Isahak und Shzad. Die beiden haben die Ausschreitungen miterlebt, die letzten Montag im Camp ausgebrochen waren, wohl weil sich Afrikaner und Afghanen bei der Ausgabe des Mittagessens gestritten hatten. 

"Innerhalb von Sekunden haben über 500 Menschen angefangen, sich zu prügeln", berichten Isahak und Shzad. Viele Menschen seien von Steinen getroffen worden. "Es war ein Chaos. Unser Zelt ist nicht in Flammen aufgegangen, weil wir es außerhalb des Haupthofes aufgebaut hatten, dort gab es nämlich keinen freien Platz mehr."

Isahak und Shzad haben beide Asyl in Griechenland beantragt. Doch mit der Zeit haben sie realisiert, dass Menschen aus Pakistan keine Hoffnung auf eine Anerkennung haben. So geht es vielen in Moria.

Verletzungen an Kopf und Händen

Ilektra Koutsoumani, Sozialarbeiterin für Ärzte ohne Grenzen auf Lesbos, war vom ersten Moment an bei den Ausschreitungen am Montag im Camp Moria dabei. "Es gab große Aufregung; ich konnte die Flammen sehen und habe den Rauch eingeatmet. Zelte brannten und das Camp wurde von der Polizei evakuiert. Es war die härteste Zeit, seit ich seit Dezember auf Lesbos bin", sagt Koutsoumani, die in einer mobilen medizinischen Station im Camp arbeitet. Viele Menschen seien am Kopf oder an den Händen verletzt worden und litten an Atemwegsproblemen. "Wir haben vielen von ihnen erste Hilfe geleistet. Außerdem haben wir mindestens zehn Leute ins staatliche Krankenhaus geschickt", sagt Koutsoumani.