Das Datum war passend gesetzt: Am heutigen Freitag jährte sich zum 68. Mal die Gründung Nordkoreas durch Kim Il Sung. Grund genug, die fünfte atomare Zündung durchzuführen.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und die US-Erdbebenwarte USGS hatten Freitag früh ein Beben der Stärke 5,3 nahe dem Atomtestgebiet der Nordkoreaner registriert. Die Sprengkraft der zugehörigen Zündung soll mindestens 10, möglicherweise sogar 20 bis 30 Kilotonnen betragen haben, das wäre der höchste Wert aller bisherigen fünf Atomexperimente seit 2006.

Nordkorea darf bekanntlich keine Atombomben bauen, genauso wenig wie ballistische Raketen. Das politisch und wirtschaftlich abgeschottete Land unter Führung von Kim Jong Un missachtet mit seinen wiederholten Tests aber die entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die inzwischen auch von der Vetomacht China mitgetragen werden.

Nordkorea brüskiert China immer wieder

Offiziell heißt es aus Pjöngjang, man habe am Freitag unter Beweis gestellt, dass man ballistische Mittelstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen versehen könne. Ob das stimmt, lässt sich wegen der Verschlossenheit des Regimes nicht überprüfen. Doch je mehr atomare Zündungen Nordkorea durchführt, desto besser wird das Wissen seiner Ingenieure, wie man Atomsprengköpfe verbessert, verkleinert und auf Raketen platziert.

Erst Ende August war eine von einem U-Boot abgefeuerte nordkoreanische Rakete 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzte. Bis dahin waren solche nordkoreanischen U-Boot-Raketen nicht weiter als 30 Kilometer geflogen.

Funktionstüchtige nordkoreanische Atomraketen wären ein sicherheitspolitischer Gau. Sie bedrohen vor allem die von den USA gestützten Westmächte Südkorea und Japan. Südkorea hat daher mit den USA die Installation eines modernen Raketenschutzschildes namens THAAD verabredet.

Dessen Technik ist für Ostasien strategisch ein sogenannter game changer, denn die militärische Präsenz der USA in Ostasien wird dadurch erheblich gestärkt. Das ist für die chinesische Führung ein Problem. Längere Zeit hatte sich China um gute Beziehungen mit dem wirtschaftlich wie kulturell für Ostasien potenten Südkorea bemüht. Seit der THADD-Entscheidung sieht man in Peking aber mit eher negativen Gefühlen auf die Regierung Südkoreas und beschäftigt sich wieder näher mit dem nordkoreanischen Nachbarn.

Noch im Frühjahr hatte China erstmals härtere UN-Sanktionen gegen Nordkorea akzeptiert. Doch kurz nachdem die USA und Südkorea die Installation des Raketenschutzschildes verabredet hatten, traf sich Chinas Außenminister Wang Yi prompt mit seinem nordkoreanischen Kollegen Ri Yong Ho.

Peking verliert an Einfluss

Die Annäherung an Pjöngjang wurde den Chinesen aber nicht gedankt. Der Abschuss der Rakete im August, der bereits in Richtung Mittelstreckenqualität ging, fand ausgerechnet am Tag eines Treffens der Außenminister Chinas, Südkoreas und Japans in Tokio statt – eine bewusste Brüskierung der drei wichtigsten Anrainer. In Nordkorea mag man symbolhafte Termine und Anlässe, weshalb man die chinesische Führung, während sie Gastgeberin des G20-Gipfels in Hangzhou war, gleich noch einmal mit Raketenstarts ärgerte.

Deswegen soll der für Nuklearfragen zuständige nordkoreanische Diplomat Choe Sun Hui laut dem Nachrichtendienst NK News die vergangenen Tage zu Verhandlungen in Peking gewesen sein. Ob er dabei den Atomtest angekündigt hat, ist unbekannt. Zumindest aber scheint China zunehmend weniger Einfluss auf die Entscheidungen der nordkoreanischen Führung zu haben.

Durch die Fixierung Pekings auf die Anwesenheit der Vereinigten Staaten in der Region und wegen der Installation des US-Raketenschildes könnte es dazu kommen, dass die chinesische Führung in der UN ihre zuletzt konsequentere Haltung gegenüber dem Kim-Regime wieder etwas lockert. Trotz aller Brüskierungen aus Nordkorea.