Nach der Aussage eines ehemaligen Mitglieds einer Todesschwadron auf den Philippinen mehren sich die Forderungen nach umfassenden Ermittlungen gegen den umstrittenen Staatschef Rodrigo Duterte. "Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Präsident Duterte gegen sich selbst ermittelt", sagte der Asien-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Brad Adams. "Daher ist es entscheidend, dass sich die UN dafür einsetzen." 

Der Zeuge hatte am Donnerstag vor dem Senat in Manila schwere Vorwürfe gegen Duterte erhoben. Demnach tötete die Schwadron auf Befehl Dutertes zwischen 1988 und 2013 in der südphilippinischen Stadt Davao rund 1.000 Menschen. Bei den Opfern handelte es sich angeblich um Kriminelle und Gegner Dutertes. Duterte selbst, der mehr als 20 Jahre lang Bürgermeister von Davao war, erschoss der Aussage zufolge einen bereits verletzten Ermittler des Justizministeriums.

Die USA zeigten sich von der Aussage alarmiert. "Das sind schwere Anschuldigungen, wir nehmen sie ernst und gehen ihnen nach", sagte der Vizesprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner. Auch Abgeordnete des Europaparlaments forderten eine Untersuchung der Anschuldigungen. Duterte äußerte sich zu der Angelegenheit nicht. Justizminister Vitaliano Aguirre teilte mit, die Vorwürfe seien erfunden.

Kein Zeugenschutz geplant

Am Freitag wurde bekannt, dass dem Zeugen von Seiten des philippinischen Staates kein Schutz gegeben werden soll. Dazu gebe es keine Veranlassung, teilte Senatspräsident Auquilino Pimentel mit. Die Entscheidung wurde von anderen Politikern kritisiert. "Wir werden die Entscheidung anfechten, müssen bis dahin aber sicherstellen, dass unser Zeuge beschützt wird", sagte Senator Sonny Trillanes CNN.

Der wegen seiner Skrupellosigkeit berüchtigte Duterte war im Mai unter anderem mit der Ankündigung zum Präsidenten gewählt worden, mit aller Härte gegen die Drogenkriminalität im Land vorzugehen und Straftäter kurzerhand töten zu lassen. Seit seinem Amtsantritt im Juni wurden nach Angaben der Polizei bei außergerichtlichen Hinrichtungen bereits mehr als 31.00 Menschen getötet. Forderungen der UN und von Menschenrechtsorganisationen, diese Exekutionen sofort zu stoppen, wies er zurück.

Internationale Kritik an seiner Politik verbittet sich Duterte. Vor einem Treffen mit Barack Obama hatte Duterte den US-Präsidenten als "Hurensohn" bezeichnet. Er erwarte, dass Obama keine kritischen Frage stelle. Daraufhin war das Treffen von US-Seite abgesagt worden.